Übergabe eines Schweizer Familienunternehmens über Generationen hinweg
Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Der Erfolg einer Unternehmensnachfolge hängt weniger vom Geschäftsplan als von der Klärung ungelöster Familienkonflikte und emotionaler Altlasten ab.

  • Die meisten Nachfolgen scheitern nicht am Markt, sondern an der „emotionalen Bilanz“ – den unausgesprochenen Erwartungen und Verletzungen innerhalb der Familie.
  • Eine Familiencharta ist das wichtigste Werkzeug, um Regeln für Gehälter, Positionen und die Firmenvision festzulegen und so zukünftige Streitigkeiten zu vermeiden.

Empfehlung: Beginnen Sie den Prozess nicht mit Zahlen, sondern mit einem moderierten Dialog, um das „unsichtbare Drehbuch“ Ihrer Familie zu verstehen und eine gemeinsame Vision zu entwickeln, bevor Sie rechtliche oder finanzielle Schritte einleiten.

Die Übergabe eines Familienunternehmens ist wohl eine der emotionalsten und komplexesten Aufgaben im Leben eines Unternehmers. Es geht um weit mehr als Bilanzen und Verträge; es geht um das Lebenswerk, um Tradition, um die Zukunft der eigenen Kinder und nicht zuletzt um den Frieden in der Familie. Viele Ratgeber betonen die Wichtigkeit, „frühzeitig zu planen“ oder „externe Berater beizuziehen“. Das sind korrekte, aber oft oberflächliche Ratschläge, die den Kern des Problems verfehlen.

Die Realität in vielen Schweizer Unternehmerfamilien ist, dass die grössten Hürden nicht betriebswirtschaftlicher, sondern psychologischer Natur sind. Es sind die unausgesprochenen Erwartungen, die alten Rivalitäten zwischen Geschwistern, die Angst des Patriarchen vor dem Machtverlust und die unklare Trennung zwischen der Rolle als Vater und der als CEO. Diese Dynamiken bilden ein „unsichtbares Drehbuch“, das den Prozess sabotiert, lange bevor der erste Steuerberater überhaupt einen Ordner öffnet.

Doch was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht darin liegt, diese Emotionen zu ignorieren, sondern sie gezielt anzusprechen? Was, wenn die wahre Aufgabe darin besteht, die „emotionale Bilanz“ der Familie auszugleichen, bevor die finanzielle Bilanz übergeben wird? Dieser Leitfaden verfolgt genau diesen Ansatz. Wir betrachten den Generationenwechsel nicht als Transaktion, sondern als einen begleiteten Prozess der Veränderung für das gesamte Familiensystem. Es ist ein Weg, der Diskretion, Empathie und psychologisches Verständnis erfordert, um nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Familie in eine sichere Zukunft zu führen.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Phasen und Fragestellungen des Generationenwechsels aus einer mediatorischen Perspektive. Wir beleuchten die psychologischen Fallstricke und bieten konkrete, in der Schweiz bewährte Instrumente und Lösungsansätze, um eine harmonische und erfolgreiche Übergabe zu gestalten.

Warum scheitern 70% der Familienunternehmen am internen Streit statt am Markt?

Die landläufige Meinung ist, dass Unternehmen an mangelnder Wettbewerbsfähigkeit, verpassten Markttrends oder finanziellen Engpässen scheitern. Bei Familienunternehmen ist dies oft nur die halbe Wahrheit. Der wahre Grund für das Scheitern bei der Nachfolge liegt meist verborgen im Inneren – im komplexen Geflecht familiärer Beziehungen. Es sind nicht die Bilanzen, die toxisch sind, sondern die unausgesprochenen Erwartungen und die ungelöste „emotionale Bilanz“. Eine aktuelle Studie unterstreicht das Problem strukturell: 50 % der Schweizer Familienunternehmen beginnen den Nachfolgeprozess ohne einen klar strukturierten Plan, weil die dahinterliegenden Gespräche zu schmerzhaft sind.

Diese emotionale Bilanz umfasst Jahre oder gar Jahrzehnte an wahrgenommenen Ungerechtigkeiten: Das Gefühl eines Kindes, weniger beachtet worden zu sein, die Rivalität zwischen Geschwistern um die Gunst der Eltern, oder die stille Enttäuschung über einen Lebensweg, der mehr von Erwartungen als von eigener Wahl geprägt war. Im Moment der Nachfolge brechen diese alten Wunden wieder auf. Die Diskussion über die CEO-Position wird zur finalen Abstimmung über die Liebe des Vaters. Die Gehaltsverhandlung wird zum Massstab für die Wertschätzung des eigenen Beitrags über die Jahre.

Visualisierung von Familienkonflikten bei der Unternehmensnachfolge, dargestellt durch eine Uhr mit getrennten Zahnrädern

Wie das Bild der Uhr mit ihren getrennten Zahnrädern symbolisiert, kann das Unternehmen nach aussen hin perfekt erscheinen, aber wenn die internen Mechanismen – die familiären Beziehungen – nicht mehr ineinandergreifen, steht das gesamte System still. Der grösste Fehler ist, die Nachfolge als rein betriebswirtschaftliches Projekt zu behandeln. Sie ist in erster Linie ein Prozess der Familienentwicklung. Ohne eine ehrliche Auseinandersetzung mit Fragen wie „Welche ungelösten Themen gibt es in unserer Familie?“ oder „Besteht Klärungsbedarf zwischen einzelnen Mitgliedern?“, wird jeder Businessplan auf einem Fundament aus Sand gebaut.

Wie erstellen Sie eine Charta, die Streitigkeiten über Gehälter und Positionen verhindert?

Wenn unausgesprochene Erwartungen das Gift für den Familienfrieden sind, ist eine Familiencharta (auch Familienverfassung genannt) das Gegengift. Dieses Dokument ist weit mehr als nur ein juristischer Vertrag; es ist das schriftliche Ergebnis eines tiefgreifenden Dialogs über die Werte, Visionen und Regeln der Familie in Bezug auf ihr Unternehmen. Es dient dazu, das „unsichtbare Drehbuch“ sichtbar und besprechbar zu machen und schafft eine verbindliche Grundlage, die über einzelne Meinungen oder Stimmungen hinausgeht.

Der Zweck der Charta ist es, potenziell explosive Themen präventiv zu regeln. Dazu gehören ganz konkrete Fragen: Nach welchen Kriterien wird ein Familienmitglied für eine Führungsposition qualifiziert? Wie werden Gehälter und Boni festgelegt, um fair und marktgerecht zu sein? Was passiert, wenn ein Familienmitglied aus dem Unternehmen ausscheiden möchte? Indem diese Regeln in einer ruhigen Phase gemeinsam definiert werden, entzieht man zukünftigen Konflikten den Nährboden. Die PwC Schweiz, die solche Prozesse begleitet, betont die Wichtigkeit von hohem Einfühlungsvermögen, da hier rechtliche Aspekte wie Aktionärsbindungsverträge und persönliche Szenarien wie Scheidung oder Tod in Einklang gebracht werden müssen.

Eine Familiencharta ist primär moralisch bindend, während ein Aktionärsbindungsvertrag (ABV) rechtlich durchsetzbar ist. Die Charta regelt die Kultur, die Werte und die Vision der Familie, der ABV die harten Fakten rund um die Aktien. Beide Dokumente ergänzen sich ideal.

Vergleich: Familiencharta vs. Aktionärsbindungsvertrag (ABV)
Kriterium Familiencharta Aktionärsbindungsvertrag (ABV)
Rechtliche Bindung Moralisch bindend Rechtlich durchsetzbar
Regelungsbereich Werte, Vision, Familienkultur Aktienübertragung, Vorkaufsrechte
Konfliktlösung Mediationsverfahren empfohlen Schiedsklauseln möglich
Anpassungsfähigkeit Flexibel anpassbar Formelle Änderungsverfahren

Die Erstellung einer solchen Charta ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Es ist ein moderierter Prozess, der oft Monate dauert, aber die Investition in Zeit und Offenheit zahlt sich um ein Vielfaches aus. Sie schafft Transparenz und Fairness und stellt sicher, dass Entscheidungen auf Basis gemeinsamer Prinzipien und nicht aufgrund emotionaler Launen getroffen werden.

Fremdmanagement oder Familie: Wen sollten Sie als CEO einsetzen, wenn die Kinder noch nicht bereit sind?

Dies ist eine der schmerzhaftesten Fragen für viele Unternehmer: Das Herz sagt „mein Kind“, aber der Verstand zweifelt an dessen Bereitschaft oder Eignung. Hier prallen die Rolle als Elternteil und die Verantwortung als Geschäftsinhaber frontal aufeinander. Die Entscheidung für einen externen Manager wird oft als Misstrauensvotum gegen die eigene Familie empfunden, während die Ernennung eines ungeeigneten Familienmitglieds das Lebenswerk gefährdet. Der Schlüssel zur Lösung dieses Dilemmas liegt in der radikalen Objektivität und der Schaffung von Rollenklarheit.

Statt die Frage „Wer soll es werden?“ zu stellen, muss die Diskussion mit „Was braucht das Unternehmen in den nächsten 10 Jahren?“ beginnen. Die Antwort darauf ist ein klares, messbares Anforderungsprofil für die CEO-Position. Erst im zweiten Schritt wird geprüft, wer – intern oder extern – dieses Profil am besten erfüllt. Wie Norbert Kühnis, Leiter Familienunternehmen bei PwC Schweiz, betont, ist es entscheidend, dass „Nachfolgeprozesse offen, nachvollziehbar und auf Augenhöhe gestaltet werden – unabhängig vom Geschlecht oder familiären Hintergrund.“ Dieser Fokus auf den Prozess entpersonalisiert die Entscheidung und macht sie nachvollziehbar.

Viele Nachfolgeregelungen funktionieren gut, aber es lohnt sich, bestehende Rollenbilder regelmässig zu reflektieren. Es ist entscheidend, dass Nachfolgeprozesse offen, nachvollziehbar und auf Augenhöhe gestaltet werden – unabhängig vom Geschlecht oder familiären Hintergrund

– Norbert Kühnis, Partner und Leiter Familienunternehmen & KMU bei PwC Schweiz

Eine Übergangslösung mit einem externen CEO kann eine äusserst kluge Strategie sein. Sie gibt dem potenziellen Nachfolger Zeit, sich in einer anderen Rolle zu beweisen, extern Erfahrungen zu sammeln oder sich gezielt weiterzubilden. Der externe Manager überbrückt nicht nur die Zeit, sondern kann auch als Mentor agieren und unpopuläre, aber notwendige Veränderungen durchführen, ohne durch familiäre Verstrickungen blockiert zu sein. Wichtig ist, diesen Schritt transparent zu kommunizieren: Es ist keine Entscheidung gegen die Familie, sondern eine Entscheidung für das Unternehmen.

Ihr 3-Stufen-Plan für eine objektive CEO-Entscheidung

  1. Erstellung eines objektiven Anforderungsprofils für die CEO-Position mit messbaren Kriterien (z.B. Branchenerfahrung, Führungskompetenz, digitale Affinität).
  2. Einholung externer Einschätzungen: Lassen Sie potenzielle interne und externe Kandidaten von einem unabhängigen Berater oder Beirat bewerten.
  3. Durchführung einer Bewährungsphase: Übertragen Sie dem potenziellen Nachfolger die Leitung eines strategischen Projekts (z.B. Digitalisierung, Expansion) mit eigenem Budget und messbaren Zielen (KPIs).

Die Steuerfalle, die bei der Firmenübergabe das Privatvermögen der Erben vernichten kann

Während viele Diskussionen um Emotionen kreisen, lauert im Hintergrund eine sehr reale, finanzielle Gefahr: die steuerlichen Konsequenzen einer unstrukturierten Firmenübergabe. Insbesondere in der Schweiz kann die sogenannte „Steuerfalle“ bei der Schenkung oder Vererbung eines Unternehmens zu massiven Forderungen des Finanzamts führen, die im schlimmsten Fall das Privatvermögen der Erben aufzehren. Auch wenn auf Bundesebene keine Erbschaftssteuer auf direkte Nachkommen erhoben wird, können kantonale Regelungen und vor allem die latente Steuerlast im Unternehmen zur tickenden Zeitbombe werden.

Die grösste Gefahr liegt oft im sogenannten nicht-betriebsnotwendigen Vermögen. Das sind liquide Mittel oder Immobilien im Unternehmen, die nicht direkt für den Geschäftsbetrieb erforderlich sind. Werden diese zusammen mit der Firma an die nächste Generation übertragen, können die Steuerbehörden dies als eine Art verdeckte Gewinnausschüttung an den Schenker betrachten, was zu hohen Einkommenssteuern führt. Für die Erben kann dies bedeuten, dass sie plötzlich eine hohe Steuerschuld privat begleichen müssen, ohne die nötige Liquidität zu haben. Zwar sind von den extremsten Fällen, wie sie bei einer nationalen Erbschaftssteuer-Initiative diskutiert wurden, nur wenige betroffen – laut einer Rundschau-Analyse wären es nur 0,3 % der Schweizer Firmen – doch für diese Familien kann es existenzbedrohend sein.

Visualisierung der Steuerfallen bei Schweizer Unternehmensnachfolge mit Taschenrechner und Steuerdokumenten

Die Komplexität der Schweizer Steuergesetze erfordert hier eine äusserst sorgfältige und frühzeitige Planung. Es ist unerlässlich, die Unternehmensstruktur Jahre vor der geplanten Übergabe zu analysieren und zu optimieren. Dies kann beispielsweise durch die Abspaltung von Immobilien in eine separate Gesellschaft oder die schrittweise Ausschüttung von Liquidität an den Inhaber geschehen. Ein frühzeitiger „Steuer-Check-up“ durch einen spezialisierten Treuhänder ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um das Lebenswerk vor dem Zugriff des Fiskus zu schützen und den Erben keine untragbare Last aufzubürden.

Wann sollten Sie den „Jungen“ das Ruder für digitale Projekte überlassen?

Ein häufiger Konfliktpunkt zwischen den Generationen ist der Umgang mit neuen Technologien. Während die ältere Generation das Unternehmen mit traditionellen Werten und bewährten Prozessen gross gemacht hat, drängt die jüngere, digital aufgewachsene Generation auf Innovation, Social Media und E-Commerce. Dieser „Clash of Cultures“ birgt Zündstoff, aber auch eine riesige Chance. Anstatt die „Jungen“ für ihre vermeintliche Ungeduld zu kritisieren, kann man ihnen gezielt Verantwortung übertragen und sie zu Motoren des Wandels machen.

Digitale Projekte sind das ideale Feld, um der nächsten Generation frühzeitig unternehmerische Verantwortung zu übergeben. Bereiche wie die Entwicklung einer neuen E-Commerce-Plattform, die Einführung eines CRM-Systems oder der Aufbau der Social-Media-Präsenz sind oft überschaubar, haben messbare Ergebnisse und erfordern genau die Kompetenzen, die die Jungen mitbringen. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, sich zu beweisen, erste Erfolge zu feiern und Respekt im Unternehmen zu verdienen – nicht aufgrund ihres Nachnamens, sondern aufgrund ihrer Leistung. Erfolgreiche Schweizer Familienunternehmen praktizieren zunehmend sogenanntes „Reverse Mentoring“, bei dem die junge Generation die Geschäftsleitung in digitalen Themen schult, was Akzeptanz schafft und die digitale Kluft überbrückt.

Dieser Ansatz löst mehrere Probleme gleichzeitig: Er entlastet die Senior-Generation, die sich oft schwertut mit der digitalen Transformation. Er bindet die Junior-Generation aktiv ein und gibt ihr eine sinnvolle Aufgabe, anstatt sie in eine Warteposition zu drängen. Und er entschärft den oft hohen Erwartungsdruck, der besonders auf männlichen Nachfolgern lastet. Eine PwC-Studie zeigt, dass sich 76 % der Männer von starkem Erwartungsdruck zur Übernahme berichten, während Frauen andere Hürden wahrnehmen. Ein klar definierter Verantwortungsbereich wie die Digitalisierung kann diesen Druck kanalisieren und in produktive Energie umwandeln. Es ist ein erster, wichtiger Schritt zur schrittweisen Machtübergabe und ein starkes Signal des Vertrauens.

Verkaufen oder in der Familie übergeben: Welche Option sichert das Lebenswerk besser?

Früher oder später steht jeder Unternehmer vor der ultimativen Frage: Soll ich mein Lebenswerk in der Familie weitergeben oder es an einen Dritten verkaufen? Diese Entscheidung ist zutiefst persönlich und es gibt keine pauschal richtige Antwort. Der emotionale Wunsch, das Unternehmen in der Familie zu halten, ist in der Schweiz stark ausgeprägt: Eine Statistik zeigt, dass 45 % der KMU-Inhaber ihr Unternehmen an Familienmitglieder übergeben. Doch die emotionale Bindung ist nur ein Kriterium von vielen.

Ein Verkauf an einen externen Käufer (z.B. ein Konkurrent, ein Investor oder das eigene Management) bietet oft den Vorteil der sofortigen Liquidität und einer klaren finanziellen Absicherung für den Ruhestand. Er löst den Unternehmer vollständig aus der Verantwortung und kann neues Know-how und Wachstumsimpulse in die Firma bringen. Der Preis dafür ist jedoch der Verlust der Kontrolle und oft auch der familiären Identität des Unternehmens. Das Lebenswerk wird zu einer Zeile im Portfolio eines anderen.

Die familieninterne Übergabe sichert hingegen die Kontinuität der Werte und die emotionale Heimat für die Familie. Sie ist oft auch steuerlich begünstigt. Die finanzielle Sicherheit des Übergebers hängt jedoch direkt vom zukünftigen Erfolg des Nachfolgers ab. Zudem muss ein geeigneter und williger Nachfolger überhaupt vorhanden sein. Um diese komplexe Entscheidung zu strukturieren, hilft eine nüchterne Gegenüberstellung der verschiedenen Optionen.

Entscheidungsmatrix: Familiennachfolge vs. Verkauf vs. Hybrid-Modell
Kriterium Familiennachfolge Vollständiger Verkauf Hybrid-Modell (MBO/Teilverkauf)
Kontrolle Bleibt in Familie Vollständig abgegeben Teilweise erhalten
Finanzielle Sicherheit Abhängig vom Erfolg Sofortige Liquidität Teilweise Liquidität + Upside
Know-how-Transfer Intern begrenzt Neues externes Wissen Kombination intern/extern
Emotionale Bindung Maximal erhalten Vollständig gelöst Teilweise erhalten
Steuerliche Folgen Oft begünstigt Kapitalgewinnsteuer Gestaffelte Besteuerung möglich

Zunehmend gewinnen auch Hybrid-Modelle an Bedeutung, bei denen beispielsweise das Management die Firma übernimmt (Management Buy-Out) und die Familie eine Minderheitsbeteiligung behält. Dies kann die Vorteile beider Welten kombinieren. Die wichtigste Erkenntnis ist: Die „beste“ Option ist die, die am besten zur finanziellen Situation, den familiären Gegebenheiten und den persönlichen Lebenszielen des Unternehmers passt.

Wann lohnt sich der freiwillige Einkauf in die Pensionskasse steuerlich am meisten?

Neben den grossen strategischen Fragen gibt es auch sehr konkrete finanzielle Instrumente, die im Rahmen einer Nachfolgeplanung eine entscheidende Rolle spielen. Eines der wichtigsten und oft unterschätzten Werkzeuge in der Schweiz ist der freiwillige Einkauf in die Pensionskasse (2. Säule). Für den abtretenden Unternehmer bietet dies eine hervorragende Möglichkeit, die persönliche Steuerschuld massiv zu senken und gleichzeitig Vermögen steueroptimiert aus der Firma ins Privatvermögen zu überführen.

Das Prinzip ist einfach: Jeder Betrag, der freiwillig in die Pensionskasse einbezahlt wird, um Lücken zu schliessen, kann vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dies ist besonders in den Jahren vor der Pensionierung oder dem Firmenverkauf attraktiv, in denen das Einkommen oft am höchsten ist. Die Steuerersparnis ist beträchtlich. Eine Beispielrechnung für Zürich zeigt: Bei einem steuerbaren Einkommen von 150’000 Franken führt ein Einkauf von 25’000 Franken zu einer Steuerersparnis von 31 % oder rund 7’750 Franken. Bei höheren Einkommen und Einkäufen potenziert sich dieser Effekt.

Der optimale Zeitpunkt ist entscheidend. Am meisten lohnt sich der Einkauf, wenn das Einkommen hoch und die Steuerprogression am steilsten ist – also typischerweise in den letzten fünf bis zehn Jahren vor der Pensionierung. Viele Unternehmer nutzen den Verkaufserlös ihrer Firma, um sich maximal in die Pensionskasse einzukaufen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Zwischen dem letzten Einkauf und dem Kapitalbezug aus der Pensionskasse muss eine Sperrfrist von drei Jahren liegen, sonst werden die gesparten Steuern rückwirkend fällig. Eine gestaffelte Planung ist daher unerlässlich. Es ist ein cleverer Weg, um den Erlös aus dem Lebenswerk vor dem Fiskus zu schützen und die private Altersvorsorge solide aufzustellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erfolg oder Scheitern der Nachfolge entscheidet sich auf der Beziehungsebene, nicht in den Geschäftsbüchern. Klären Sie die „emotionale Bilanz“ der Familie.
  • Eine Familiencharta ist das zentrale Werkzeug, um Spielregeln für heikle Themen wie Macht, Geld und Verantwortung festzulegen und Streit zu vermeiden.
  • Objektive Kriterien müssen bei der CEO-Wahl immer Vorrang vor emotionalen Wünschen haben. Eine externe Übergangslösung kann eine kluge Strategie sein.

Wie strukturieren Sie Ihr Vermögen ab 500’000 CHF für maximalen Werterhalt?

Die erfolgreiche Übergabe des Unternehmens ist nur der erste Schritt. Die zweite, ebenso wichtige Aufgabe besteht darin, das neu gewonnene private Vermögen so zu strukturieren, dass es langfristig erhalten bleibt und der Familie Sicherheit bietet. Nach dem Verkauf oder der Übergabe fliesst oft eine beträchtliche Summe – sei es aus dem Verkaufserlös oder aus optimierten Bezügen aus der Pensionskasse. Dieses Vermögen, das oft mehr als 500’000 CHF beträgt, erfordert eine neue, defensive Strategie.

Ein zentrales Instrument zum Schutz und zur Strukturierung des Privatvermögens nach der Übergabe ist die Gründung einer privaten Holdinggesellschaft in der Schweiz. Diese Struktur agiert wie ein Schutzschild: Sie trennt das unternehmerische Risiko (falls noch Beteiligungen bestehen) vom privaten Vermögen der Familie. Dividenden und Verkaufserlöse können steuergünstig in die Holding fliessen und von dort aus reinvestiert werden, ohne sofort die private Einkommenssteuer zu belasten. Dies ermöglicht einen disziplinierten und langfristigen Vermögensaufbau.

Strukturierung von Vermögen in Schweizer Familienunternehmen, symbolisiert durch die Übergabe eines Schlüssels von älteren zu jüngeren Händen

Ein Fallbeispiel aus der Praxis zeigt, wie Unternehmer durch die Kombination einer Holdingstruktur mit optimierten Vorsorgeplänen ihr Einkaufspotenzial in die Pensionskasse um mehrere hunderttausend Franken erhöhen. Dies ermöglicht eine massive, steueroptimierte Übertragung von Vermögen aus der operativen Firma in das geschützte Privatvermögen, noch bevor der eigentliche Verkauf stattfindet. Die Strategie lautet: Risiko trennen, Steuern optimieren und Vermögen diversifizieren. Nach Jahren, in denen das gesamte Vermögen in einer einzigen Firma gebunden war, geht es nun darum, das „Alles-auf-eine-Karte“-Risiko zu eliminieren und eine stabile, breit abgestützte Vermögensbasis für die nächsten Generationen zu schaffen.

Der nächste logische Schritt besteht darin, diese komplexen Gespräche über Finanzen und Familie in einem strukturierten und professionell moderierten Rahmen zu führen. Nur so können Sie sicherstellen, dass Sie eine Lösung finden, die nicht nur Ihr Lebenswerk schützt, sondern auch den Frieden und die Einheit Ihrer Familie für die Zukunft sichert.

Geschrieben von Regula Aebischer, Unternehmensberaterin für KMU-Nachfolge und Familienverfassungen mit Sitz in St. Gallen. Expertin für Strategieentwicklung und Konfliktlösung in Schweizer Familienunternehmen.