
Der starke Franken ist keine Bedrohung, sondern eine permanente ökonomische Realität, die eine strategische Neuausrichtung der persönlichen Finanzen erfordert.
- Statt Währungsrisiken nur reaktiv abzusichern (Hedging), sollte die globale Kaufkraft des Frankens proaktiv genutzt werden.
- Die traditionelle Rolle von Gold als „sicherer Hafen“ ist für Schweizer Anleger redundant, da der Franken bereits diese Funktion erfüllt.
Empfehlung: Entwickeln Sie eine „Hantel-Strategie“ – eine solide Basis in CHF-Werten kombiniert mit gezielten, ungesicherten globalen Investitionen, um von der strukturellen Stärke des Frankens maximal zu profitieren.
Für Schweizer Bürger und Investoren ist der starke Franken eine vertraute Konstante. Man freut sich über günstige Ferien im Ausland und preiswertere Importgüter. Die gängigen Finanzratschläge wiederholen oft die gleichen Mantras: global diversifizieren, Währungsrisiken absichern und Gold als Krisenschutz beimischen. Diese Ratschläge sind nicht falsch, aber sie greifen zu kurz, weil sie den Kern der Schweizer Realität übersehen. Sie behandeln die Frankenstärke wie ein temporäres Problem, das es zu managen gilt, anstatt sie als das zu erkennen, was sie ist: ein strukturelles Merkmal unserer Wirtschaft.
Die wahre Herausforderung liegt nicht darin, sich krampfhaft gegen den starken Franken zu versichern. Vielmehr geht es darum, die eigene Denkweise fundamental zu ändern. Statt in reaktiver Absicherung zu verharren, die oft teuer ist und Renditen schmälert, liegt die Chance in einer proaktiven Strategie. Es geht darum, die immense globale Kaufkraft, die uns der Franken verleiht, bewusst und systematisch zum eigenen Vorteil zu nutzen. Dies erfordert ein tieferes Verständnis der Mechanismen, die unser Währungsumfeld prägen – von den Entscheiden der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bis zu den globalen Wirtschaftstrends.
Dieser Artikel bricht mit den üblichen Platitüden. Anstatt nur zu fragen, wie Sie Ihr Vermögen „schützen“ können, zeigen wir Ihnen, wie Sie in einer Welt des starken Frankens strategisch navigieren. Wir analysieren, wie Sie Ihre Kaufkraft maximieren, wann eine Währungsabsicherung wirklich sinnvoll ist und welche Rolle die SNB-Politik für Ihre persönlichen Finanzen spielt. Das Ziel ist es, Ihnen eine weitsichtige Perspektive zu vermitteln, mit der Sie Ihre finanzielle Zukunft nicht trotz, sondern gerade wegen der Stärke des Frankens erfolgreich gestalten.
Dieser Leitfaden ist in acht Schlüsselbereiche gegliedert, die Ihnen ein umfassendes Verständnis der Auswirkungen des starken Frankens vermitteln. Vom praktischen Nutzen im Alltag bis hin zu komplexen Anlagestrategien decken wir alle Aspekte ab, die für Ihre finanzielle Planung in der Schweiz relevant sind.
Inhaltsverzeichnis: Strategien für den Umgang mit dem starken Schweizer Franken
- Warum ist Ihr Ferienbudget im Euro-Raum plötzlich 20% mehr wert?
- Wie hedgen Sie US-Aktien gegen den starken Franken, ohne die Rendite zu zerstören?
- Fremdwährungskonto oder alles in CHF: Was ist für internationale Überweisungen günstiger?
- Der Fehler, Bargeld zu horten, wenn die Zinspolitik sich wieder dreht
- Wann greift die Nationalbank ein und was bedeutet das für Ihre Hypothek?
- Warum rechtfertigt das Label „Swiss Made“ einen Preisaufschlag von über 20% im Ausland?
- Wie viel Prozent Gold gehören in ein krisensicheres Schweizer Portfolio?
- Wie sichern Sie Ihre finanzielle Zukunft in der Schweiz trotz steigender Lebenshaltungskosten?
Warum ist Ihr Ferienbudget im Euro-Raum plötzlich 20% mehr wert?
Die spürbarste Auswirkung der Frankenstärke zeigt sich für viele Schweizer im Ausland. Wenn der Euro-Franken-Kurs von 1.20 auf Parität (1.00) fällt, bedeutet das eine effektive Aufwertung des Frankens um 20 %. Jeder Franken, den Sie ausgeben, kauft plötzlich mehr Waren und Dienstleistungen im Euroraum. Dieses Phänomen ist keine kurzfristige Schwankung, sondern ein langfristiger Trend. Eine Analyse belegt, dass über 40 % des Wertes des Euro seit 2008 gegenüber dem Franken verloren gingen. Dies eröffnet strategische Möglichkeiten, die weit über den spontanen Einkauf jenseits der Grenze hinausgehen.
Dieses Prinzip der Kaufkraft-Arbitrage lässt sich systematisch nutzen. Grosse Anschaffungen wie ein Autokauf in Deutschland oder die Renovierung einer Ferienimmobilie in Italien können gezielt in Phasen extremer Frankenstärke geplant werden, um Tausende von Franken zu sparen. Es geht darum, Währungsgewinne nicht als Zufall zu betrachten, sondern als planbaren Bestandteil der eigenen Finanzstrategie. Die Wahl der richtigen Zahlungsmethode ist dabei entscheidend, um diese Vorteile nicht durch hohe Gebühren zu schmälern.
Die Analyse von Zahlungsmethoden zeigt erhebliche Unterschiede. Während traditionelle Schweizer Kreditkarten oft einen Wechselkursaufschlag von 1.5 % bis 2.5 % plus Auslandseinsatzgebühren verlangen, bieten moderne Fintech-Anbieter wie Revolut oder Wise deutlich bessere Konditionen. Hier liegen die Aufschläge oft nur bei 0.1 % bis 0.5 %, was insbesondere bei regelmässigen oder grossen Transaktionen einen signifikanten Unterschied macht. Eine PostFinance-Karte liegt mit einem Aufschlag von 1.75 % und einer fixen Gebühr pro Transaktion im Mittelfeld. Für Vielreisende oder Grenzgänger ist die Nutzung eines spezialisierten Anbieters daher fast immer die wirtschaftlich sinnvollste Entscheidung.
Letztendlich verwandelt dieser strategische Ansatz den starken Franken von einer abstrakten Wirtschaftsgrösse in ein konkretes Werkzeug zur Steigerung des persönlichen Wohlstands.
Wie hedgen Sie US-Aktien gegen den starken Franken, ohne die Rendite zu zerstören?
Für Schweizer Anleger mit globalen Portfolios stellt der starke Franken ein erhebliches Risiko dar. Eine Investition in den US-Aktienmarkt kann eine hohe Rendite in US-Dollar erzielen, die jedoch durch eine Aufwertung des Frankens gegenüber dem Dollar zunichtegemacht werden kann. Die naheliegende Lösung scheint die Währungsabsicherung (Hedging) zu sein, doch hier lauert eine oft übersehene Falle: die Rendite-Kannibalisierung durch hohe Kosten. Ein gehedgter ETF verspricht Schutz, doch dieser Schutz ist nicht gratis.
Die Kosten für eine Währungsabsicherung sind variabel und hängen stark vom Zinsdifferenzial zwischen den beiden Währungen ab. In normalen Zeiten beziffert ETF Schweiz die tatsächlichen Kosten für die Währungsabsicherung auf 0.3 % bis 1.0 % pro Jahr zusätzlich zur normalen Verwaltungsgebühr (TER) des ETFs. In Hochzinsphasen können diese Kosten sogar auf 2-3 % pro Jahr ansteigen. Diese auf den ersten Blick geringen Prozentsätze fressen über die Jahre einen erheblichen Teil der Gesamtrendite auf.

Die Entscheidung für oder gegen Hedging ist daher keine simple Ja/Nein-Frage, sondern ein strategischer Kompromiss. Systematisches, permanentes Hedging schützt zwar vor Währungsverlusten, garantiert aber gleichzeitig, dass ein Teil der Rendite von den Kosten „kannibalisiert“ wird. Ein taktischer Ansatz, bei dem nur in Phasen erwarteter Dollarschwäche gehedgt wird, ist theoretisch überlegen, erfordert aber eine treffsichere Marktprognose, die selbst für Profis schwierig ist.
Fallstudie: Renditeauswirkung von Währungshedging über 10 Jahre
Ein Beispiel illustriert das Dilemma: Bei einer Investition in den S&P 500 von 2008 bis 2020 hätte der Wertverlust des US-Dollars von 17 % die Aktienrendite für einen Schweizer Anleger erheblich geschmälert. Hätte der Anleger sein Investment systematisch währungsgesichert, wären durch die Hedging-Kosten von 0.5-1 % pro Jahr über den gesamten Zeitraum 5-10 % der Gesamtrendite verloren gegangen. Die beste Nettorendite hätte ein Anleger erzielt, der nur in den Phasen der ausgeprägten Dollarschwäche taktisch gehedgt hätte – eine Strategie, die jedoch perfektes Timing erfordert.
Für langfristig orientierte Anleger kann es daher oft sinnvoller sein, auf eine permanente Absicherung zu verzichten und Währungsschwankungen als Teil des normalen Anlagerisikos zu akzeptieren, anstatt eine garantierte Renditeminderung durch Hedging-Kosten in Kauf zu nehmen.
Fremdwährungskonto oder alles in CHF: Was ist für internationale Überweisungen günstiger?
Für Grenzgänger, Expats oder Personen, die regelmässig Zahlungen in Euro oder anderen Fremdwährungen erhalten oder tätigen, stellt sich eine zentrale Frage: Ist ein dediziertes Fremdwährungskonto die bessere Lösung als die Abwicklung über das normale CHF-Konto? Die Antwort hängt stark von den Gebühren und Wechselkursaufschlägen der jeweiligen Methode ab. Ein reines Festhalten am CHF-Konto ist aus Bequemlichkeit oft die teuerste Variante.
Traditionelle Banküberweisungen von einem CHF-Konto auf ein EUR-Konto sind mit erheblichen Kosten verbunden. Banken verrechnen oft einen Wechselkursaufschlag von 2-3 % und zusätzlich fixe Gebühren von 15-30 CHF pro Transaktion. Bei einem monatlichen Gehaltstransfer von 5’000 CHF für einen Grenzgänger können sich diese Kosten schnell auf 1’500 bis 2’000 CHF pro Jahr summieren.
Ein Fremdwährungskonto, beispielsweise bei einer Kantonalbank, kann hier bereits eine deutliche Verbesserung bringen. Die Wechselkursaufschläge sind mit 0.5-1 % meist geringer und die monatlichen Kontoführungsgebühren mit 5-10 CHF überschaubar. Die jährlichen Gesamtkosten für denselben Grenzgänger würden so auf 360 bis 720 CHF sinken. Die mit Abstand günstigste Lösung bieten jedoch spezialisierte Fintech-Anbieter wie Wise oder Revolut. Mit Aufschlägen von nur 0.1-0.5 % und transaktionsbasierten Gebühren reduzieren sich die jährlichen Kosten auf einen Bruchteil, oft nur 60 bis 300 CHF. Bei der Wahl eines Anbieters ausserhalb der Schweiz sollte jedoch die Einlagensicherung beachtet werden; im benachbarten Liechtenstein beträgt diese beispielsweise 100’000 CHF pro Person, was eine hohe Sicherheit bietet.
Für jeden, der regelmässig mit Fremdwährungen hantiert, ist die Einrichtung eines Kontos bei einem Fintech-Anbieter oder zumindest ein Fremdwährungskonto bei einer Bank eine wirtschaftlich rationale Entscheidung, die jährlich Hunderte bis Tausende von Franken einsparen kann.
Der Fehler, Bargeld zu horten, wenn die Zinspolitik sich wieder dreht
In Zeiten von Unsicherheit und niedrigen Zinsen neigen viele Anleger dazu, grosse Mengen an Bargeld zu halten. Diese Strategie vermittelt ein Gefühl der Sicherheit, doch sie birgt ein erhebliches Risiko: den Kaufkraftverlust durch Inflation. Wenn die Zinspolitik der Nationalbank eine Wende vollzieht und die Zinsen wieder steigen, wird das Horten von unverzinstem Bargeld zu einem garantierten Verlustgeschäft. Jeder Franken auf dem Konto verliert real an Wert.
Dieser Fehler ist besonders in der Schweiz relevant, wo die Lebenshaltungskosten hoch sind. Die Inflation mag im internationalen Vergleich moderat sein, aber selbst eine Inflationsrate von 1-2 % pro Jahr führt über die Zeit zu einer signifikanten Erosion des Vermögens. Anstatt passiv zuzusehen, wie das eigene Geld an Wert verliert, ist es entscheidend, aktive Anlagestrategien zu verfolgen, die zumindest die Inflation ausgleichen oder eine positive Realrendite erzielen. Die Angst vor Marktschwankungen darf nicht zu finanzieller Paralyse führen.
Es gibt eine Reihe von liquiden und risikoarmen Alternativen zum Bargeld, die in einem Umfeld steigender Zinsen attraktiv werden. Diese Instrumente bieten eine bessere Rendite als das Nullzinskonto, ohne den Anleger übermässigen Risiken auszusetzen. Die Kunst besteht darin, das Kapital schrittweise und überlegt von unproduktivem Bargeld in renditestärkere, aber dennoch sichere Anlagen umzuschichten. Dies erfordert eine vorausschauende Planung und die Bereitschaft, sich von der trügerischen Sicherheit des Bargeldes zu lösen.
Ihr Aktionsplan: Alternative Strategien zum Bargeldhorten
- Liquidität optimieren: Prüfen Sie kurzfristige Bundesobligationen oder Geldmarktfonds in CHF als flexible und renditestärkere Alternative zu Bargeld auf dem Girokonto.
- Zinsanstieg nutzen: Schichten Sie bei einem klaren Trend steigender Zinsen stufenweise Teile Ihrer Liquidität in Festgeldanlagen mit gestaffelten Laufzeiten um.
- Steuervorteile maximieren: Schöpfen Sie die maximale jährliche Einzahlung in Ihre 3. Säule aus, um von der steueroptimierten Rendite langfristig zu profitieren.
- Vorsorge stärken: Evaluieren Sie einen freiwilligen Einkauf in Ihre 2. Säule (Pensionskasse), um von der garantierten BVG-Verzinsung und den Steuervorteilen zu profitieren.
- Cash-Puffer definieren: Halten Sie nur die für 3-6 Monate notwendige Notfallreserve als Bargeld und investieren Sie den Rest gemäss Ihrer Risikotoleranz.
Eine proaktive Umschichtung von unproduktivem Bargeld in sorgfältig ausgewählte, renditestarke Anlagen ist kein Zocken, sondern eine notwendige Massnahme, um der schleichenden Enteignung durch Inflation zu entgehen.
Wann greift die Nationalbank ein und was bedeutet das für Ihre Hypothek?
Die Politik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist der wichtigste Treiber für den Wert des Frankens und die Zinsen in der Schweiz. Für Eigenheimbesitzer ist besonders eine Frage entscheidend: Wann interveniert die SNB, und wie wirkt sich das auf die Kosten meiner Hypothek aus? Das Verständnis dieser Mechanismen ist zentral, um Finanzierungsentscheidungen fundiert zu treffen. Die SNB hat primär das Ziel der Preisstabilität, muss aber auch die wirtschaftliche Entwicklung und die Stabilität des Finanzsystems im Auge behalten.
Historisch gesehen greift die SNB am Devisenmarkt ein, wenn sie eine übermässige und schnelle Aufwertung des Frankens befürchtet, die die Schweizer Exportwirtschaft gefährden könnte. Ein inoffizieller Schwellenwert lag in der Vergangenheit oft bei einem EUR/CHF-Kurs unter 0.95. Ein weiteres Interventionssignal ist eine Inflationsdifferenz zur Eurozone von über 2 %, da dies den Aufwertungsdruck auf den Franken erhöht. Die wichtigste Stellschraube bleibt jedoch der Leitzins. Eine Leitzinssenkung verbilligt Kredite, schwächt tendenziell den Franken und kurbelt die Wirtschaft an, während eine Erhöhung die Inflation bekämpft, aber Kredite verteuert und den Franken stärkt.

Für Hypothekarnehmer sind die Auswirkungen dieser Entscheide direkt spürbar, jedoch mit einer gewissen Verzögerung. Bei Rollover-Finanzierungen wie SARON-Hypotheken erfolgt die effektive Änderung des Zinssatzes bei Rollover-Finanzierungen erfolgt erst rund drei Monate verzögert. Dies liegt an der Berechnungsmethode, die auf dem aufgezinsten SARON (Swiss Average Rate Overnight) der vergangenen Zinsperiode basiert. Festhypotheken reagieren anders: Ihre Zinssätze preisen zukünftige Erwartungen an SNB-Entscheide oft schon Monate im Voraus ein. Wer eine Zinssenkung erwartet, könnte daher mit einer SARON-Hypothek besser fahren, während bei erwarteten Zinserhöhungen eine frühzeitig abgeschlossene Festhypothek Sicherheit bietet.
Fallstudie: Historische SNB-Interventionsmuster und Zinsreaktion
Die jüngste Vergangenheit liefert ein klares Beispiel: Um die nachlassende Inflation zu bekämpfen und die Wirtschaft zu stützen, senkte die SNB den Leitzins schrittweise von 1.75 % auf 0 % im Laufe des Jahres 2024. Die SARON-Hypotheken folgten diesem Trend mit der typischen Verzögerung von etwa einem Quartal, was Kreditnehmern eine spürbare Entlastung brachte. Die Zinsen für Festhypotheken begannen jedoch bereits zu fallen, als die ersten Markterwartungen über eine Lockerung der SNB-Politik aufkamen.
Die Wahl der richtigen Hypothekarstrategie hängt somit massgeblich von der eigenen Einschätzung der zukünftigen SNB-Politik und der persönlichen Risikobereitschaft ab.
Warum rechtfertigt das Label „Swiss Made“ einen Preisaufschlag von über 20% im Ausland?
Während der starke Franken Konsumenten und Importeure begünstigt, stellt er für die Schweizer Exportwirtschaft eine permanente Herausforderung dar. Jede Aufwertung verteuert Schweizer Produkte im Ausland und schmälert die Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch erzielt die Schweizer Exportindustrie regelmässig neue Rekorde. Das Geheimnis dieses Erfolgs liegt im Wert des Labels „Swiss Made“, das eine ausserordentliche Preissetzungsmacht verleiht und einen Aufschlag von oft über 20 % gegenüber vergleichbaren Produkten rechtfertigt.
Dieses Phänomen basiert nicht auf Patriotismus, sondern auf einem global anerkannten Versprechen von Qualität, Präzision, Zuverlässigkeit und Innovation. In Sektoren wie der Uhrenindustrie, der Medizintechnik und der chemisch-pharmazeutischen Industrie ist der Herkunftsort Schweiz ein entscheidendes Kaufargument. Kunden weltweit sind bereit, für dieses Versprechen einen Aufpreis zu zahlen, der die Währungsnachteile mehr als kompensiert. Die USA sind ein Paradebeispiel: 2024 importierten sie Schweizer Waren im Wert von 52.7 Milliarden CHF, was 18.6 % des gesamten Schweizer Exports ausmachte und sie zum wichtigsten Handelspartner machte.
Dieser Erfolg zeigt, dass die Schweizer Wirtschaft eine Nische gefunden hat, in der nicht der Preis, sondern der Wert im Vordergrund steht. Anstatt in den globalen Preiskampf einzusteigen, konzentrieren sich erfolgreiche Schweizer Unternehmen auf hochspezialisierte Produkte mit starker Markenstärke und hoher Innovationskraft. Diese Strategie macht sie widerstandsfähiger gegenüber Währungsschwankungen.
Fallstudie: Premium-Pricing der Schweizer Exportindustrie trotz Frankenstärke
Das Jahr 2024 demonstrierte diese Widerstandsfähigkeit eindrücklich. Trotz des starken Frankens erreichten die Schweizer Exporte einen Rekordwert von 282.9 Milliarden CHF, ein Zuwachs von 3.2 %. Besonders die chemisch-pharmazeutische Industrie, angeführt von Giganten wie Nestlé, Roche und Novartis, konnte ihre Exporte um 10 % steigern. Diese Unternehmen waren in der Lage, ihre Preise in US-Dollar und Euro stabil hoch zu halten oder sogar zu erhöhen, da die globale Nachfrage nach ihrer „Swiss Quality“ ungebrochen war und sie eine starke Preissetzungsmacht besitzen.
Für den Privatanleger bedeutet dies auch, dass Investitionen in diese global führenden Schweizer Unternehmen eine solide Basis für jedes Portfolio darstellen, da sie eine inhärente Resilienz gegenüber der Frankenstärke aufweisen.
Wie viel Prozent Gold gehören in ein krisensicheres Schweizer Portfolio?
Gold gilt weltweit als der ultimative „sichere Hafen“ in Krisenzeiten. Für Anleger, deren Heimatwährung der US-Dollar oder der Euro ist, ist diese Logik unbestreitbar. Für einen Schweizer Anleger muss diese Annahme jedoch kritisch hinterfragt werden. Der Schweizer Franken selbst ist eine der stärksten und stabilsten Währungen der Welt und fungiert global bereits als sicherer Hafen. Die Beimischung von Gold in ein CHF-basiertes Portfolio kann daher schnell zu einer Anlage in einen redundanten sicheren Hafen werden.
Gold für einen Schweizer Anleger kann eine redundante ’sichere Hafen‘-Anlage sein, da der CHF bereits diese Funktion erfüllt.
– Finanzanalyse clevercircles, Währungsrisiko-Studie 2024
Das bedeutet nicht, dass Gold keinen Platz in einem Schweizer Portfolio hat, aber seine Rolle und Allokation müssen anders gedacht werden. Anstatt als primärer Schutz vor Währungsturbulenzen zu dienen, fungiert Gold eher als Versicherung gegen extreme Systemrisiken – also gegen Ereignisse, die selbst die Stabilität des Schweizer Finanzsystems gefährden könnten. Die Frage ist also nicht „ob“, sondern „wie viel“ und „in welcher Form“. Eine gängige Faustregel empfiehlt, 10-15 % des frei verfügbaren Vermögens in Gold zu investieren. Bei der Berechnung sollte jedoch das in der 2. Säule (Pensionskasse) gebundene, bereits sehr sichere CHF-Vermögen berücksichtigt werden, was die Notwendigkeit einer hohen Goldquote tendenziell reduziert.
Für Schweizer Anleger ist es zudem entscheidend, Gold direkt in CHF zu erwerben, um das zusätzliche Währungsrisiko gegenüber dem US-Dollar (die Standardhandelswährung für Gold) zu vermeiden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
- Physischer Kauf: Bietet maximale Sicherheit, ist aber mit hohen Aufschlägen (2-5 %) und Lagerkosten (0.5-1 % p.a.) verbunden.
- Gold-ETFs: Sind kostengünstiger (z.B. ZKB Gold ETF mit 0.40 % TER p.a.) und ermöglichen eine physische Auslieferung.
- Gehedgte ETFs: Ein UBS Gold ETF mit CHF-Absicherung hat noch tiefere Kosten (0.23 % TER), schränkt aber die physische Auslieferung meist ein.
Eine sinnvolle Strategie könnte eine Kombination sein: ein kleiner Teil (z.B. 5 %) in physischem Gold als ultimative Versicherung und ein weiterer Teil (5-10 %) in einem kosteneffizienten Gold-ETF für eine bessere Liquidität.
Eine moderate Gold-Allokation dient somit als letzte Verteidigungslinie, ohne die Gesamtrendite des Portfolios durch eine übermässige Konzentration auf einen bereits immanent sicheren Basiswert (CHF) zu belasten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stärke des Frankens ist ein strukturelles Merkmal, das proaktive Strategien zur Nutzung der globalen Kaufkraft erfordert, anstatt nur reaktiver Absicherung.
- Währungsabsicherung (Hedging) ist kostspielig und kann die langfristige Rendite erheblich schmälern; oft ist es sinnvoller, Währungsschwankungen als Anlagerisiko zu akzeptieren.
- Die Zinspolitik der SNB hat direkte, wenn auch verzögerte Auswirkungen auf Hypotheken, deren Verständnis für die Wahl der richtigen Finanzierungsstrategie entscheidend ist.
Wie sichern Sie Ihre finanzielle Zukunft in der Schweiz trotz steigender Lebenshaltungskosten?
Die vorangegangenen Abschnitte haben die verschiedenen Facetten des starken Frankens beleuchtet – von den Chancen bei der Kaufkraft über die Risiken bei Anlagen bis hin zur Rolle der Nationalbank. Um die finanzielle Zukunft in einem Hochkostenland wie der Schweiz nachhaltig zu sichern, müssen diese einzelnen Puzzleteile zu einer kohärenten Gesamtstrategie zusammengefügt werden. Die Lösung liegt in einer „Hantel-Strategie“, die Sicherheit und Wachstumschancen ausbalanciert.
Das Fundament dieser Strategie bildet eine solide und breite Basis in Schweizer Franken. Dazu gehören das in der 2. und 3. Säule gebundene Vorsorgevermögen, Schweizer Immobilien, liquide Mittel für den Lebensunterhalt und Anlagen in resiliente, dividendenstarke Schweizer Unternehmen, die ihre Preissetzungsmacht global ausspielen können. Dieser Teil der „Hantel“ bietet Stabilität und profitiert von der strukturellen Stärke der heimischen Währung und Wirtschaft.

Am anderen Ende der Hantel befindet sich der gezielte, chancenorientierte Risikoteil. Dieser besteht aus ungesicherten (ungehedgten) Investitionen in globale Wachstumsmärkte, insbesondere in Aktien und ETFs. Anstatt die Renditen durch teures Hedging zu schmälern, akzeptiert man hier die Währungsschwankungen als Teil des langfristigen Spiels. Die Logik dahinter ist, dass die überlegenen Wachstumschancen in diesen Märkten die Währungsverluste über einen langen Anlagehorizont mehr als kompensieren können. Dieser Ansatz nutzt die strukturelle Stärke des Frankens als stabilen Anker, von dem aus man global nach Rendite suchen kann.
Indem Sie aufhören, den starken Franken als Problem zu betrachten, und ihn stattdessen als strategischen Vorteil nutzen, schaffen Sie ein robustes Portfolio, das sowohl Sicherheit in der Heimat bietet als auch an den globalen Wachstumschancen partizipiert. Dies ist der Weg, um Ihre finanzielle Zukunft in der Schweiz nicht nur zu sichern, sondern aktiv zu gestalten.