Ein Schweizer Rentner berechnet seine Pensionskassenleistungen am Tisch mit Dokumenten und Taschenrechner
Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung ist nicht der sinkende Umwandlungssatz die grösste Gefahr für Ihre Rente, sondern die finanziellen Zeitbomben, die unbemerkt in Ihrer Vorsorge-Architektur ticken.

  • Unversicherte Erwerbsunfähigkeit, die unterschätzte Teilzeitfalle und falsche Kapitalentscheidungen können Ihre Altersersparnisse pulverisieren.
  • Passive Sorge führt zur Altersarmut; nur wer die unsichtbaren Hebel seiner Vorsorge kennt und nutzt, sichert seinen Lebensstandard.

Empfehlung: Übernehmen Sie die strategische Kontrolle über alle Säulen Ihrer Vorsorge und treffen Sie heute die Entscheidungen, die Ihr zukünftiges Ich Ihnen danken wird.

Die Nachricht schlägt bei angehenden Rentnern in der Schweiz regelmässig wie eine Bombe ein: Die Pensionskassen senken erneut den Umwandlungssatz. Das bedeutet unweigerlich eine tiefere Rente bei gleichem angespartem Kapital. Die Reaktion ist oft eine Mischung aus Sorge, Resignation und einer fast obsessiven Fokussierung auf diese eine Kennzahl. Man vergleicht Sätze, rechnet hoch, beklagt die Entwicklung und fühlt sich dem System hilflos ausgeliefert. Diese Fixierung ist verständlich, aber sie ist auch eine gefährliche Ablenkung.

Während alle auf den schmelzenden Umwandlungssatz starren, bleiben die wahren finanziellen Zeitbomben im komplexen Gebilde der Schweizer Altersvorsorge oft unentdeckt. Diese lauern nicht an der Oberfläche, sondern in den Details von Teilzeitarbeit, im Kleingedruckten von Versicherungen und in den strategischen Weichenstellungen, die Jahre vor der Pensionierung getroffen werden müssen. Die bittere Wahrheit ist: Wer sich nur auf den Umwandlungssatz konzentriert, bekämpft ein Symptom, während die eigentliche Krankheit die finanzielle Sicherheit zerfrisst.

Doch was, wenn die wahre Lösung nicht darin besteht, das Unvermeidliche zu beklagen, sondern die unsichtbaren Hebel zu aktivieren, die Ihnen trotz allem die Kontrolle zurückgeben? Dieser Artikel deckt die oft ignorierten Risiken auf und zeigt Ihnen die konkreten, zahlenbasierten Strategien, mit denen Sie die Architektur Ihrer Vorsorge aktiv gestalten. Wir analysieren die demografische Realität, tauchen in die steuerlichen Vorteile von PK-Einkäufen ein, beleuchten die existenziellen Entscheidungen beim Kapitalbezug und entlarven die Fallen, die speziell Frauen und Langzeiterkrankte bedrohen. Es ist an der Zeit, den Blick zu weiten und die Kontrolle über Ihre finanzielle Zukunft zurückzuerobern.

Der folgende Leitfaden ist in acht entscheidende Bereiche unterteilt. Jeder Abschnitt beleuchtet eine spezifische Gefahr oder einen strategischen Hebel, um Ihnen ein umfassendes Verständnis für die Sicherung Ihrer Altersvorsorge zu vermitteln.

Warum reicht das Rentenalter 65 bald nicht mehr aus, um die AHV zu retten?

Die erste Säule, die AHV, wird oft als Fels in der Brandung der Altersvorsorge wahrgenommen. Doch dieser Fels erodiert durch eine unaufhaltsame demografische Welle. Das Umlageverfahren, bei dem die aktive Bevölkerung die Renten der Pensionierten finanziert, stösst an seine mathematischen Grenzen. Die Zahlen sind alarmierend und zeigen, dass das System in seiner jetzigen Form nicht nachhaltig ist. Die geburtenstarken Jahrgänge der Baby-Boomer, die zwischen 2024 und 2029 in Rente gehen, verschärfen diese Schieflage dramatisch.

Die Kernproblematik liegt im Verhältnis von Beitragszahlenden zu Rentenempfängern. Während bei der Einführung der AHV noch sechs Erwerbstätige eine Rente finanzierten, schrumpft das Verhältnis laut einer Analyse von BDO Schweiz auf unter 3,5 Berufstätige pro Rentner. Prognosen zeigen, dass dieser Wert bis 2045 auf ein kritisches Verhältnis von nur noch zwei zu eins fallen wird. Dies bedeutet, dass die Last auf immer weniger Schultern verteilt wird, was unweigerlich zu Finanzierungsengpässen führt.

Für Sie als zukünftiger Rentner bedeutet dies eine unbequeme Wahrheit: Verlassen Sie sich nicht blind auf die prognostizierten AHV-Leistungen. Eine Erhöhung des Rentenalters über 65 Jahre hinaus ist politisch zwar umstritten, aber mathematisch fast unvermeidlich, um einen Kollaps zu verhindern. Auch Leistungskürzungen oder höhere Abgaben sind realistische Szenarien. Die strategische Kontrolle über die zweite und dritte Säule wird somit nicht mehr nur eine Option, sondern zur existenziellen Notwendigkeit, um die absehbaren Lücken in der ersten Säule zu kompensieren.

Wann lohnt sich der freiwillige Einkauf steuerlich am meisten?

Einer der wirkungsvollsten „unsichtbaren Hebel“ zur Stärkung Ihrer Pensionskasse ist der freiwillige Einkauf. Damit schliessen Sie nicht nur allfällige Beitragslücken, die durch Lohnerhöhungen, Jobwechsel oder Auslandsaufenthalte entstanden sind, sondern profitieren auch von einem erheblichen Steuervorteil. Jeder eingezahlte Franken kann vollumfänglich vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dies reduziert Ihre Steuerlast im Jahr des Einkaufs markant, insbesondere bei hoher Steuerprogression.

Der grösste steuerliche Effekt wird erzielt, wenn Ihr Einkommen am höchsten ist – typischerweise in den Jahren vor der Pensionierung. Ein Einkauf von beispielsweise 30’000 Franken kann je nach Kanton und Einkommen eine Steuerersparnis von bis zu 9’000 Franken oder mehr bedeuten. Um die Progression optimal zu brechen, ist es ratsam, grössere Einkäufe über mehrere Jahre zu staffeln. Anstatt einmalig 100’000 Franken einzuzahlen, kann die Verteilung auf vier Jahre à 25’000 Franken zu einer deutlich höheren Gesamt-Steuerersparnis führen.

Dieses Bild verdeutlicht, wie jeder Einkauf in die Pensionskasse Ihre Steuerlast senkt und gleichzeitig Ihr Alterskapital aufbaut.

Gestapelte Münzen symbolisieren Steuerersparnis durch Pensionskasseneinkauf

Doch Vorsicht, es gibt eine entscheidende Spielregel zu beachten. Das Vermögenszentrum (VZ) warnt eindringlich vor einer häufigen Falle:

Praxisfall: Die 3-Jahres-Sperrfrist

Wenn Sie planen, Ihr Pensionskassenkapital oder einen Teil davon bei der Pensionierung als Einmalzahlung zu beziehen, gilt eine Sperrfrist von drei Jahren nach dem letzten Einkauf. Tätigen Sie innerhalb dieser Frist einen Einkauf und beziehen dann Kapital, wird die Steuerersparnis rückwirkend aberkannt. Die Steuerbehörden betrachten dies als missbräuchliche Steuerumgehung. Planen Sie Ihren letzten Einkauf also spätestens drei Jahre vor dem gewünschten Kapitalbezug.

Ein gut geplanter Einkauf ist somit ein mächtiges Instrument zur Steueroptimierung und zum Vermögensaufbau. Er erfordert jedoch eine vorausschauende Planung, um nicht in die Steuerfalle zu tappen.

Alles auf einmal oder lebenslang Geld: Welche Wette gegen den Tod gewinnen Sie?

Die Entscheidung zwischen einem lebenslangen Rentenbezug und dem einmaligen Kapitalbezug aus der Pensionskasse ist wohl die folgenreichste finanzielle Weichenstellung Ihres Lebens. Es ist eine „Wette auf die eigene Langlebigkeit“. Beziehen Sie die Rente, erhalten Sie eine garantierte, lebenslange Zahlung. Das Problem: Der dafür verwendete Umwandlungssatz sinkt seit Jahren kontinuierlich, was die Rente empfindlich schmälert.

Der gesetzliche Mindestumwandlungssatz für den obligatorischen Teil des PK-Guthabens liegt zwar noch bei 6,8 %, doch für den weitaus grösseren überobligatorischen Teil wenden die Kassen deutlich tiefere, sogenannte „umhüllende“ Sätze an. Diese spiegeln die Realität der gestiegenen Lebenserwartung und der tiefen Zinsen wider. Die folgende Tabelle, basierend auf Daten des SRF, zeigt die drastischen Unterschiede.

Eine aktuelle Erhebung des SRF zu den Umwandlungssätzen führender Pensionskassen verdeutlicht die Spannweite.

Umwandlungssätze verschiedener Schweizer Pensionskassen 2024
Pensionskasse Umwandlungssatz
UBS Pensionskasse 4.50%
Helvetia Sammelstiftung 4.76%
Allianz Sammelstiftung 4.88%
SBB Pensionskasse 4.96%
Gesetzlicher Mindestumwandlungssatz (nur Obligatorium) 6.80%

Beim Kapitalbezug erhalten Sie Ihr gesamtes Altersguthaben auf einen Schlag. Sie sind damit flexibel, können das Geld nach eigenen Vorstellungen anlegen und vererben, was übrig bleibt. Das Risiko liegt jedoch bei Ihnen: Sie müssen das Kapital so verwalten, dass es bis an Ihr Lebensende reicht. Gemäss einer Beispielrechnung des SRF wäre das Kapital bei einer Rendite von 2 % nach knapp 20 Jahren aufgebraucht. Wer älter wird, steht ohne Geld da. Ausserdem fällt eine einmalige, wenn auch reduzierte Kapitalleistungssteuer an. Die Wahl ist daher keine rein mathematische, sondern eine zutiefst persönliche, die Risikobereitschaft, Gesundheitszustand und Familienplanung berücksichtigen muss. Ein Mix aus beidem – ein Teilkapitalbezug und eine Teilrente – kann oft die beste Lösung sein, um Sicherheit und Flexibilität zu kombinieren.

Die Falle für Mütter: Warum Teilzeitarbeit Ihre Pensionskassenrente halbiert

Eine der heimtückischsten finanziellen Zeitbomben in der Schweizer Vorsorge ist die Teilzeitfalle, die überproportional Frauen betrifft. Oft wird die Entscheidung zur Reduzierung des Arbeitspensums aus familiären Gründen getroffen, ohne die langfristigen, verheerenden Konsequenzen für die Altersrente vollständig zu erfassen. Das Problem liegt im Design der zweiten Säule: dem Koordinationsabzug. Dieser fixe Betrag (aktuell CHF 25’725) wird vom Jahreslohn abgezogen, um den versicherten Lohn zu ermitteln. Bei einem Vollzeitpensum fällt dieser Abzug weniger ins Gewicht. Bei Teilzeitarbeit wirkt er sich jedoch katastrophal aus.

Ein Beispiel: Eine Person mit einem Vollzeitlohn von CHF 80’000 hat einen versicherten Lohn von CHF 54’275. Reduziert sie ihr Pensum auf 50 % (Lohn: CHF 40’000), sinkt der versicherte Lohn nicht etwa auf die Hälfte, sondern auf nur noch CHF 14’275. Das ist fast eine Viertelung! Über die Jahre führt dies zu massiven Lücken im Altersguthaben. Die Pensionskassenrente kann sich dadurch leicht mehr als halbieren, selbst wenn das Arbeitspensum „nur“ halbiert wurde. Es entsteht eine massive Rentenlücke, die im Alter kaum mehr zu schliessen ist.

Dieses Problem wird durch die Struktur der AHV noch verstärkt. Obwohl Frauen aufgrund von Erziehungs- und Betreuungsgutschriften und einer höheren Lebenserwartung tendenziell mehr Renten beziehen, als sie prozentual an Beiträgen einzahlen, reicht dies bei weitem nicht aus, um die dramatischen Einbussen in der zweiten Säule auszugleichen. Die Teilzeitfalle ist somit ein systemisches Problem, das eine bewusste und proaktive Gegenstrategie erfordert. Dazu gehören freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse durch den Partner mit dem höheren Einkommen oder ein konsequenter Aufbau einer privaten Säule 3a, um die drohende Altersarmut abzuwenden.

Ist Ihr 3a-Geld geschützt, wenn Ihre Bank pleite geht?

Die Säule 3a gilt als sicherer Hafen für die private Altersvorsorge. Doch die Frage nach der Sicherheit im Falle eines Bankenkonkurses verunsichert viele Sparer. Die Antwort ist komplexer als ein simples „Ja“ oder „Nein“ und hängt entscheidend davon ab, wie Ihr 3a-Guthaben angelegt ist: als reines Kontoguthaben oder in Wertschriften.

Für reine 3a-Kontoguthaben greift ein spezieller Schutz. Gemäss der Einlagensicherung esisuisse ist Ihr Guthaben bis maximal CHF 100’000 pro Kunde und Vorsorge-Stiftung konkursrechtlich privilegiert. Das bedeutet, es wird in der zweiten Konkursklasse behandelt, direkt nach den Forderungen der Angestellten der Bank. Dies erhöht die Chance, das Geld zurückzuerhalten, erheblich, ist aber keine 100%ige Garantie. Liegt Ihr Guthaben über 100’000 Franken bei einer einzigen Stiftung, fällt der übersteigende Betrag in die ungesicherte dritte Klasse.

Eine wichtige Strategie zur Risikominimierung besteht darin, Ihr 3a-Vorsorgekapital auf mehrere Banken und deren Vorsorgestiftungen zu verteilen, wie im Bild symbolisch dargestellt. So nutzen Sie den Schutz bis 100’000 Franken pro Institut mehrfach.

Schweizer Vorsorgedokumente auf verschiedenen Stapeln symbolisieren Risikodiversifikation

Ganz anders sieht die Situation bei 3a-Wertschriftenlösungen (z.B. Fonds oder Aktien) aus. Diese Vermögenswerte gelten als Sondervermögen. Sie gehören nicht der Bank, sondern Ihnen als Anleger und werden von der Bank nur verwahrt. Im Konkursfall werden diese Wertschriften einfach aus der Konkursmasse herausgelöst und auf ein anderes Depot übertragen. Ihr Wertschriftenvermögen ist also vollständig vom Bankenkonkurs getrennt und geschützt. Diese Unterscheidung ist ein fundamentaler, aber oft übersehener Aspekt der Risikosteuerung in der dritten Säule. Die Wahl zwischen einer reinen Kontolösung und einer Wertschriftenlösung ist also auch eine Entscheidung über die Art des Schutzes Ihres Vermögens.

Die Gefahr, die 40% der Schweizer Erwerbstätigen bei Krankheit in den finanziellen Ruin treibt

Die vielleicht grösste und plötzlichste finanzielle Zeitbombe ist eine längere Krankheit oder ein Unfall. Viele Schweizer wiegen sich in falscher Sicherheit und glauben, durch die IV-Rente und das Krankentaggeld umfassend geschützt zu sein. Doch die Realität ist ernüchternd und gefährlich. Rund 40% der Erwerbstätigen in der Schweiz haben keine oder eine ungenügende Krankentaggeldversicherung, da diese für Arbeitgeber – ausser in Gesamtarbeitsverträgen – freiwillig ist.

Fällt das Einkommen bei Krankheit weg, beginnt eine kritische Phase. Die Invalidenversicherung (IV) greift erst nach einer Wartezeit von einem Jahr und nur bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %. Wer deckt die Lücke in diesem ersten, entscheidenden Jahr? Ohne Krankentaggeldversicherung: niemand. Die Ersparnisse werden angegriffen, die Vorsorgeplanung gerät ins Wanken. Selbst mit einer Krankentaggeldversicherung ist der Schutz oft auf 720 Tage begrenzt. Was passiert danach, wenn man noch nicht als IV-Fall anerkannt ist? Es droht die „Aussteuerung“ und der Gang zum Sozialamt.

Besonders prekär ist die Situation für ältere Arbeitnehmende. Auch wenn die Arbeitslosenquote bei Personen über 50 nicht signifikant höher ist, zeigt die hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen in dieser Altersgruppe, wie schwierig die Wiedereingliederung nach einer Krankheit ist. Eine längere Absenz vom Arbeitsmarkt kann schnell zu einem dauerhaften Ausschluss führen. Der finanzielle Ruin ist dann nicht mehr fern. Es ist daher unerlässlich, die eigene Versicherungssituation genau zu prüfen: Besteht eine Krankentaggeldversicherung? Wie hoch ist das versicherte Taggeld? Wie lange wird es bezahlt? Eine private Erwerbsunfähigkeitsrente kann diese existenzielle Lücke schliessen und ist ein unverzichtbarer Baustein einer robusten Vorsorge-Architektur.

Der Fehler bei der Umschichtung, der Rentnern im Alter die Kaufkraft raubt

Selbst wenn Sie alle bisherigen Hürden gemeistert haben, lauert im Ruhestand eine stille, aber unerbittliche Gefahr: die Kaufkraft-Erosion. Eine Rente von CHF 4’000 hat heute eine andere Kaufkraft als in 10 oder 20 Jahren. Bei einer durchschnittlichen Inflation von nur 1.5 % verliert Ihr Geld über 20 Jahre fast 26 % an Wert. Ihre Rente bleibt zwar nominal gleich, aber Sie können sich immer weniger dafür kaufen. Wer sein gesamtes Vermögen als Rente aus der Pensionskasse bezieht, ist diesem Effekt schutzlos ausgeliefert, da Renten in der Regel nicht an die Teuerung angepasst werden.

Hier offenbart sich der strategische Vorteil eines (Teil-)Kapitalbezugs. Das bezogene Kapital kann so investiert werden, dass es eine Rendite abwirft, die zumindest die Inflation ausgleicht oder idealerweise übersteigt. Doch genau hier begehen viele Rentner einen fatalen Fehler: Aus Angst vor Verlusten schichten sie ihr gesamtes Vermögen in vermeintlich sichere Anlagen wie Sparkonten oder Obligationen um. Bei den aktuellen Tiefzinsen bedeutet das eine garantierte reale Entwertung des Vermögens.

Eine intelligente Anlagestrategie im Alter bedeutet nicht, jegliches Risiko zu meiden, sondern es kontrolliert zu steuern. Ein diversifiziertes Portfolio mit einem angemessenen Aktienanteil ist unerlässlich, um die Kaufkraft zu erhalten. Die Angst vor Kursschwankungen ist verständlich, doch das Risiko, dass Ihr Geld langsam von der Inflation aufgefressen wird, ist weitaus realer. Es geht darum, eine Balance zu finden, die Ihnen nachts einen ruhigen Schlaf ermöglicht, aber Ihr Kapital trotzdem für Sie arbeiten lässt.

Aktionsplan zur Sicherung Ihrer Kaufkraft

  1. Gestaffelte Entnahmen: Planen Sie Ihre Kapitalentnahmen strategisch, um in schlechten Börsenjahren nicht zu viel Substanz verkaufen zu müssen (Sequence of Returns Risk).
  2. Globale Diversifikation: Investieren Sie weltweit in verschiedene Anlageklassen und Währungen, um Klumpenrisiken zu vermeiden.
  3. Schrittweises De-Risking: Reduzieren Sie den Aktienanteil Ihres Portfolios schrittweise in den Jahren vor der Pensionierung, nicht abrupt am Tag X.
  4. Teilkapitalbezug prüfen: Lassen Sie sich mindestens einen Teil des Pensionskassenguthabens auszahlen, um die Flexibilität für eine inflationsgeschützte Anlagestrategie zu gewinnen.
  5. Budget erstellen: Erstellen Sie ein genaues Budget für Ihre Ausgaben im Ruhestand, um den tatsächlichen Kapitalbedarf zu kennen und Entnahmen realistisch zu planen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die alleinige Fokussierung auf den Umwandlungssatz ist gefährlich; die wahren Risiken sind Teilzeitfallen, mangelnde Absicherung bei Krankheit und die Kaufkraft-Erosion.
  • Aktive Steueroptimierung durch gestaffelte PK-Einkäufe und eine kluge Aufteilung der 3a-Gelder sind mächtige Hebel zur Vermögensvermehrung.
  • Die Entscheidung „Kapital oder Rente“ ist eine Wette. Ein Mix aus beidem bietet oft die beste Balance zwischen Sicherheit und Flexibilität, um die Inflation zu schlagen.

Wie generieren Sie ein steuereffizientes Zusatzeinkommen mit Schweizer Dividendenperlen?

Für Rentner, die sich für einen (Teil-)Kapitalbezug entschieden haben, stellt sich die entscheidende Frage: Wie generiere ich ein regelmässiges, möglichst steuereffizientes Zusatzeinkommen, um die Rente aufzubessern und die Kaufkraft zu sichern? Eine bewährte Methode ist die Investition in hochwertige Schweizer Dividendenaktien. Diese „Dividendenperlen“ sind Aktien von etablierten, profitablen Unternehmen, die einen Teil ihres Gewinns zuverlässig an ihre Aktionäre ausschütten.

Der Vorteil für Schweizer Anleger ist die steuerliche Behandlung. Zwar werden auf die Dividenden 35 % Verrechnungssteuer erhoben, doch diese kann von in der Schweiz steuerpflichtigen Personen vollständig über die Steuererklärung zurückgefordert werden. Die Dividende fliesst somit letztlich brutto für netto in Ihr Portemonnaie und wird lediglich als Einkommen besteuert. Dies macht Schweizer Dividendenaktien zu einem äusserst attraktiven Baustein für ein Renteneinkommen.

Bei der Auswahl sollte der Fokus auf Unternehmen mit einem stabilen Geschäftsmodell, einer soliden Bilanz und einer Historie von konstanten oder steigenden Dividendenzahlungen liegen. Eine hohe Dividendenrendite allein ist kein Qualitätsmerkmal; sie kann auch ein Zeichen für ein erhöhtes Risiko sein. Eine breite Streuung über verschiedene Sektoren ist entscheidend. Eine Analyse von Schweizer Dividendenperlen für 2024 von cash.ch liefert eine gute Übersicht.

Top Schweizer Dividendenaktien 2024
Unternehmen Dividendenrendite Besonderheit
Zurich Insurance 5.5% Klassische Dividendenperle mit solider Bilanz
Swiss Life 5.1% 10 Jahre kontinuierliche Dividendenerhöhung
SGS 4.5% Stabiles Geschäftsmodell
Swisscom 4.3% Defensive Qualität
Roche 3.8% Führend in Onkologie
Novartis 3.5% Starke Pipeline
Nestlé 3.0% 28 Jahre Dividendenerhöhung

Ein Portfolio aus solchen Qualitätsaktien kann einen stetigen Einkommensstrom generieren, der die Lücke in der Altersvorsorge schliesst und im Idealfall mit der Zeit sogar wächst. Es ist ein aktiver Ansatz, der Wissen und Disziplin erfordert, aber die Chance bietet, die finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Um diesen Ansatz erfolgreich umzusetzen, ist es entscheidend, die Prinzipien der steuereffizienten Einkommensgenerierung zu verstehen und anzuwenden.

Um diese Strategien auf Ihre persönliche Situation anzuwenden und die für Sie passende Vorsorge-Architektur zu bauen, ist eine professionelle und gesamtheitliche Analyse der nächste logische Schritt. Nur so können Sie sicherstellen, alle Hebel korrekt zu bedienen und die finanziellen Zeitbomben rechtzeitig zu entschärfen.

Häufig gestellte Fragen zur Vorsorge bei Krankheit

Ab wann kann man bei Erwerbsunfähigkeit eine IV-Rente beziehen?

Eine IV-Rente kann nach einer Wartezeit von in der Regel einem Jahr und bei einem vom Arzt bestätigten Invaliditätsgrad von mindestens 40% bezogen werden.

Ist das Krankentaggeld in der Schweiz obligatorisch?

Nein, eine Krankentaggeldversicherung ist für Arbeitgeber grundsätzlich freiwillig. Eine Pflicht kann sich jedoch aus einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ergeben. Es ist entscheidend, dies im eigenen Arbeitsvertrag zu prüfen.

Wie lange erhält man maximal Krankentaggeld?

Die maximale Leistungsdauer für Krankentaggeld beträgt in der Regel 720 Tage innerhalb eines Zeitraums von 900 aufeinanderfolgenden Tagen. Danach entsteht eine Deckungslücke, falls noch kein Anspruch auf eine IV-Rente besteht.

Geschrieben von Matthias Studer, Eidgenössisch diplomierter Vermögensverwalter und Finanzplaner mit über 20 Jahren Erfahrung im Schweizer Private Banking. Spezialisiert auf Altersvorsorge, Säule 3a-Optimierung und steuereffiziente Anlagestrategien für Privatanleger.