Blick auf einen modernen Universitätscampus mit Studierenden auf dem Weg zu futuristischen Gebäuden
Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Der Erfolg an der ETH oder EPFL ist keine Frage der reinen Intelligenz, sondern ein strategisches Spiel, bei dem es darum geht, das System der Exzellenz von innen heraus zu meistern.

  • Überleben im ersten Jahr erfordert nicht perfektes Verständnis, sondern strategisches Bestehen und disziplinierte Zusammenarbeit.
  • Die wahre Wertschöpfung entsteht durch den Transfer von Wissen aus dem Labor in marktfähige Spin-offs oder Industrieprojekte.

Recommandation : Betrachten Sie Ihr Studium nicht als Ausbildung, sondern als Ihre erste strategische Mission. Nutzen Sie jeden Aspekt des Ökosystems – von der Bibliothek bis zum Industriesponsoring – als Hebel für Ihre Karriere.

Jedes Jahr bestätigen es die globalen Rankings aufs Neue: Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich (ETH) und Lausanne (EPFL) spielen in der obersten Liga der Wissenschaft. Für leistungsstarke Talente aus aller Welt gleicht eine Zusage einem Ticket in den Olymp der MINT-Fächer. Doch die Faszination für Nobelpreisträger wie Albert Einstein und die Aussicht auf eine brillante Karriere verdecken oft eine brutalere Realität. Viele glauben, dass ausserordentliche Intelligenz und harte Arbeit allein ausreichen, um in diesem hochkompetitiven Umfeld zu bestehen. Das ist ein gefährlicher Trugschluss.

Die Wahrheit ist, dass der Campus kein reiner Lernort ist, sondern ein komplexes Ökosystem mit eigenen Regeln, Fallstricken und gewaltigen Chancen. Wer hier nur den Vorlesungen folgt und auf Bestnoten hinarbeitet, verpasst die eigentliche Ausbildung: die Kunst, dieses System zu navigieren. Was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht darin liegt, der klügste Kopf im Raum zu sein, sondern der strategischste? Was, wenn die hohe Durchfallquote im ersten Jahr weniger über die Intelligenz der Studierenden aussagt als über ihre Fähigkeit, sich an die ungeschriebenen Gesetze der Exzellenz anzupassen?

Dieser Artikel blickt hinter die Fassade der Hochglanzbroschüren. Als Alumnus und Wissenschaftsjournalist zeige ich Ihnen die Mechanismen, die über Erfolg oder Scheitern entscheiden. Wir werden analysieren, wie man die erste grosse Hürde überwindet, wie aus Forschung im Labor ein investorenreifes Unternehmen wird und wie die mächtigen Pharma-Cluster in der Schweiz Ihre Zukunft als Absolvent direkt beeinflussen. Es geht nicht darum, ob Sie klug genug sind. Es geht darum, ob Sie bereit sind, das Spiel zu spielen.

Die folgende Gliederung führt Sie durch die entscheidenden strategischen Etappen, von der Immatrikulation bis zum erfolgreichen Karrierestart im Schweizer Exzellenz-Ökosystem.

Warum scheitern 40% der Studenten im ersten Jahr und wie gehören Sie zu den Überlebenden?

Der Übergang von der Schule zur ETH oder EPFL ist für viele ein Schock. Die schiere Menge und Komplexität des Stoffes sind überwältigend. Doch der wahre Grund für das Scheitern liegt selten in mangelnder Intelligenz. Es ist das Versäumnis, das System zu verstehen. An der EPFL beispielsweise zeigt sich die Härte des Selektionsprozesses darin, dass 60% der Studierenden im ersten Jahr scheitern. Diese Zahl ist kein Zufall, sondern ein bewusst eingesetzter Filter, der nicht nur Wissen, sondern vor allem Resilienz, Organisation und strategisches Denken prüft.

Das Überleben der Basisprüfung ist kein Marathon des Auswendiglernens, sondern ein strategisches Rennen. Es geht darum, Ressourcen effizient zu nutzen und Prioritäten zu setzen. Der Perfektionismus, der einem in der Schule zum Erfolg verholfen hat, wird hier zur Falle. Der Schlüssel liegt im strategischen Bestehen: Erkennen, was für die Prüfung essenziell ist, und den Rest vorläufig ausblenden. Dies erfordert ein radikales Umdenken und eine enorme Selbstdisziplin.

Studierende arbeiten spätabends gemeinsam in einer modernen Universitätsbibliothek

Wie dieses Bild andeutet, ist Kollaboration überlebenswichtig. Isolierte Einzelkämpfer gehen unter. Erfolgreiche Studierende organisieren sich früh in Lerngruppen, idealerweise mit Kommilitonen aus verschiedenen Sprachregionen, um unterschiedliche Lösungsansätze und Perspektiven zu kombinieren. Die Bibliothek, die an sieben Tagen die Woche fast rund um die Uhr geöffnet ist, wird zum Hauptquartier für diese gemeinsamen Operationen.

Ihr 5-Punkte-Plan zum Überleben der Basisprüfung

  1. Einführungsveranstaltungen besuchen: Verstehen Sie das System und knüpfen Sie erste strategische Kontakte zu Kommilitonen und Assistenten.
  2. Ressourcen maximieren: Nutzen Sie die Bibliotheksöffnungszeiten (7-24 Uhr) für fokussierte Lernphasen abseits der Ablenkungen des Alltags.
  3. Fokus auf Bestehen, nicht Perfektion: Identifizieren Sie die Kernkonzepte für die Prüfungen und akzeptieren Sie, dass Sie nicht jedes Detail sofort verstehen müssen.
  4. Lerngruppen bilden: Schliessen Sie sich mit 3-4 Kommilitonen zusammen, um komplexe Probleme gemeinsam zu lösen und sich gegenseitig zu motivieren.
  5. Selbstdisziplin kultivieren: Entwickeln Sie einen rigorosen Zeitplan und halten Sie sich daran. Durchhaltevermögen ist wichtiger als Genialität.

Wie gründen Sie aus dem Labor heraus ein Unternehmen, das Investoren anzieht?

An der ETH und EPFL ist die Forschung kein Selbstzweck; sie ist der Nährboden für Innovation und wirtschaftliche Wertschöpfung. Der wahre Geist dieser Institutionen manifestiert sich im Wissenstransfer als Karriere-Vektor – der Fähigkeit, eine brillante Idee aus dem Labor in ein tragfähiges Geschäftsmodell zu überführen. Wer dies versteht, nutzt die Hochschule nicht nur als Ausbildungsstätte, sondern als erstklassigen Inkubator.

Die Zahlen sind beeindruckend und zeigen das enorme Potenzial. Die ETH Zürich allein fungiert als regelrechte Spin-off-Schmiede. Seit 1973 hat sie über 600 Spin-offs hervorgebracht, von denen erstaunliche 93 % heute noch aktiv sind. Dies ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines fein abgestimmten Ökosystems, das Gründergeist gezielt fördert.

Fallstudie: Die ETH Zürich als Innovationsmotor

Die ETH Zürich hat seit 1973 über 600 Spin-offs hervorgebracht, die eine aussergewöhnlich hohe Überlebensrate von rund 93 % aufweisen. Diese Unternehmen sind ein direkter Kanal für den Technologie- und Wissenstransfer in die Schweizer Volkswirtschaft. Erfolgreiche Beispiele wie Scandit, das Software für Barcode-Scanning entwickelt, zeigen, wie Grundlagenforschung direkt in globale Marktführer verwandelt wird. Diese Erfolgsquote zieht Investoren an, die wissen, dass ein ETH-Spin-off ein Gütesiegel für technologische Exzellenz und nachhaltiges Potenzial ist.

Sowohl die ETH als auch die EPFL bieten ein strukturiertes Umfeld, um diesen Übergang zu meistern. Der Vergleich zeigt die jeweiligen Stärken und strategischen Standortvorteile, die angehende Gründer für sich nutzen müssen.

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich die beiden Schweizer Spitzenhochschulen im globalen Innovationswettbewerb positionieren und welche spezifischen Vorteile sie bieten.

Vergleich der Schweizer Innovationshochburgen
Hochschule Weltrang Innovation Stärke Standortvorteil
ETH Zürich Rang 21 600+ Spin-offs, AI Center Nähe zum Finanzplatz Zürich
EPFL Lausanne Rang 44 Innovation Park, MOOCs-Pionier Nähe zu Genf, int. Organisationen

Aufnahmeprüfung oder direkt: Welche Hürden müssen internationale Talente nehmen?

Die globale Anziehungskraft der ETH und EPFL sorgt für einen intensiven Wettbewerb um die begehrten Studienplätze. Doch die Hürden sind nicht für alle gleich. Während Schweizer Studierende mit einer eidgenössischen Matura in der Regel direkten Zugang zum Bachelorstudium haben, unterliegt die Aufnahme internationaler Talente einem weitaus selektiveren Verfahren. Dieses zweigleisige System ist ein zentraler Bestandteil der Strategie, einerseits der nationalen Bildungsverantwortung gerecht zu werden und andererseits die globale Exzellenz durch die gezielte Auswahl der besten internationalen Köpfe zu sichern.

Die EPFL ist ein hervorragendes Beispiel für diese globale Ausrichtung. Mit aktuell 14.012 Studierenden aus über 130 Ländern ist der Campus ein Schmelztiegel der Kulturen und Ideen. Für internationale Bewerber bedeutet dies jedoch, dass sie sich gegen eine globale Konkurrenz durchsetzen müssen. Die EPFL verlangt von ihnen einen Notendurchschnitt von mindestens 80% im Abschlusszeugnis, eine Hürde, die für Schweizer Bewerber nicht in dieser Form existiert. Wer diese schulischen Kriterien nicht erfüllt, muss sich der anspruchsvollen Aufnahmeprüfung stellen, die ein tiefes Verständnis in Mathematik, Physik, Chemie und weiteren Fächern abverlangt.

Diese selektive Aufnahme internationaler Studierender stellt sicher, dass das hohe akademische Niveau von Anfang an gehalten wird. Es bedeutet auch, dass internationale Studierende, die es an die ETH oder EPFL schaffen, bereits einen intensiven Filterprozess durchlaufen haben. Sie bringen nicht nur exzellente akademische Voraussetzungen mit, sondern auch eine hohe Motivation und die Fähigkeit, sich in einem kompetitiven Umfeld zu beweisen – Eigenschaften, die für den Erfolg im Studium unerlässlich sind.

Der Fehler, das Netzwerk erst nach dem Abschluss zu nutzen

Viele Studierende konzentrieren sich so sehr auf Prüfungen und Laborarbeit, dass sie eine der wertvollsten Ressourcen der ETH und EPFL übersehen: das menschliche Kapital. Der grösste strategische Fehler ist die Annahme, dass Networking etwas ist, das nach dem Abschluss beginnt. In Wahrheit ist das Studium die intensivste und organischste Phase des Netzwerkaufbaus. Das Netzwerk ist kein Bonus, sondern ein zentraler Ökosystem-Hebel, der frühzeitig und gezielt aktiviert werden muss.

Der Campus ist ein Mikrokosmos zukünftiger globaler Führungskräfte in Wissenschaft und Industrie. Jeder Kommilitone, jeder Doktorand und jeder Professor ist ein potenzieller zukünftiger Co-Gründer, Geschäftspartner oder Forschungsverbündeter. Mit Studierenden aus über 120 Ländern und Austauschprogrammen mit fast 200 Partneruniversitäten weltweit bietet sich eine einmalige Gelegenheit, ein globales, hochkarätiges Netzwerk aufzubauen, lange bevor man überhaupt an den ersten Job denkt.

Studierende verschiedener Nationalitäten vernetzen sich in einem offenen Campus-Begegnungsraum

Dieses Netzwerk entsteht nicht von allein. Es erfordert proaktives Engagement. Die Teilnahme an den jährlichen Studieninformationstagen, das Engagement in studentischen Vereinigungen oder Fachvereinen und die bewusste Interaktion mit internationalen Studierenden sind keine Freizeitaktivitäten, sondern strategische Investitionen in die eigene Zukunft. Ein im dritten Bachelor-Jahr absolviertes Austauschsemester ist nicht nur eine kulturelle Erfahrung, sondern die Expansion des eigenen Netzwerks auf einen anderen Kontinent. Wer diese Gelegenheiten nicht nutzt, lässt einen unschätzbaren Wert ungenutzt liegen.

Die Logik ist einfach: Das Vertrauen und die gemeinsamen Erfahrungen, die während intensiver Lernnächte und gemeinsamer Projekte geschmiedet werden, bilden eine weitaus solidere Grundlage für zukünftige Kooperationen als ein flüchtiger Kontakt auf einer Karrieremesse. Das Netzwerk, das Sie während des Studiums aufbauen, ist Ihre wertvollste Absicherung für die Zukunft.

Wann ist Industriesponsoring ein Karrierebooster und wann gefährdet es Ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit?

Spitzenforschung auf Weltniveau ist extrem kostspielig. Drittmittel aus der Industrie und von privaten Stiftungen sind daher ein unverzichtbarer Treibstoff für den Innovationsmotor der ETH und EPFL. Für Studierende und Forschende eröffnen diese Kooperationen enorme Chancen: Zugang zu modernster Technologie, praxisnahe Projekte und oft auch einen direkten Draht zu potenziellen Arbeitgebern. Doch dieses Modell birgt eine inhärente Spannung zwischen Karriere-Booster und der potenziellen Gefährdung der wissenschaftlichen Unabhängigkeit.

Die Dimensionen solcher Partnerschaften sind gewaltig und illustrieren das hohe Vertrauen, das die Wirtschaft in die Forschungsleistung der Hochschulen setzt. Ein prominentes Beispiel verdeutlicht diese Dynamik.

Fallstudie: Die 100-Millionen-Franken-Spende

Die Jörg G. Bucherer-Stiftung spendete der ETH Zürich 100 Millionen Franken, um das ETH Swiss GeoLab zu unterstützen, ein Labor zur Erforschung von Geowissenschaften. Eine solche Grossspende ermöglicht Forschung auf einem Niveau, das mit öffentlichen Mitteln allein kaum zu finanzieren wäre. Sie schafft Stellen für Doktoranden und Postdocs und positioniert die ETH als weltweit führendes Zentrum in diesem Bereich. Gleichzeitig wirft eine derart grosse, zweckgebundene Spende unweigerlich Fragen auf: Welchen Einfluss hat der Geldgeber auf die Forschungsagenda? Werden potenziell kritische Forschungsergebnisse, die den Interessen des Sponsors zuwiderlaufen könnten, mit der gleichen Konsequenz verfolgt?

Die Hochschulen sind sich dieser Gratwanderung bewusst und haben strenge Richtlinien zur Wahrung der Forschungsfreiheit etabliert. Ein Indikator für die Stärke der unabhängigen Grundlagenforschung sind die prestigeträchtigen ERC-Grants der Europäischen Union. Die ETH hat allein 84 dieser Grants eingeworben, die für exzellente, vom Forscher getriebene Projekte ohne industrielle Vorgaben vergeben werden. Dies beweist, dass trotz enger Industrieverbindungen ein starker Kern unabhängiger Wissenschaft existiert.

Für den einzelnen Forscher oder Studierenden bedeutet dies, jede Kooperation kritisch zu prüfen. Ein von der Industrie gesponsertes Doktorat kann ein Karrieresprungbrett sein, wenn die Freiheit der Forschung vertraglich garantiert ist. Es kann jedoch zur Sackgasse werden, wenn die Ergebnisse primär den kommerziellen Zielen des Sponsors dienen müssen. Die strategische Entscheidung liegt darin, die Vorteile zu nutzen, ohne die eigene wissenschaftliche Integrität zu kompromittieren.

Wie initiieren Sie ein gemeinsames Forschungsprojekt mit der ETH, ohne im Bürokratie-Dschungel zu landen?

Die Vorstellung, als externes Unternehmen oder als Forscher einer anderen Institution eine Kooperation mit Giganten wie der ETH oder EPFL anzustossen, kann abschreckend wirken. Die Furcht vor einem undurchdringlichen „Bürokratie-Dschungel“ ist weit verbreitet. Doch in der Realität sind beide Hochschulen strategisch darauf ausgerichtet, Partnerschaften zu schmieden, und haben dafür klar definierte Kanäle und Netzwerke etabliert. Der Schlüssel liegt darin, diese etablierten Strukturen zu kennen und zu nutzen, anstatt zu versuchen, informelle Wege zu gehen.

Die Internationalität und Vernetzung sind Teil der DNA dieser Institutionen. Ein Blick auf die Forschungsförderung und die Mitgliedschaft in Allianzen zeigt, wie tief sie im globalen Wissenschaftssystem verankert sind. Allein aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der EU flossen 586 Millionen Franken an EU-Forschungsgeldern an die ETH Zürich. Diese Summe verdeutlicht, dass die Hochschule erfahren und darauf spezialisiert ist, grosse, internationale und formalisierte Projekte zu managen.

Für potenzielle Partner ist es entscheidend, die richtigen Anknüpfungspunkte zu finden. Diese sind oft durch die Mitgliedschaft der ETH in strategischen Allianzen vorgegeben.

Makroaufnahme von Forschungsausrüstung in einem hochmodernen Labor

Der einfachste Weg, eine Kooperation zu initiieren, führt über diese bestehenden Netzwerke. Anstatt einen einzelnen Professor direkt zu kontaktieren, ist es oft effizienter, über die gemeinsamen Programme einer Allianz wie der IDEA League oder der ENHANCE-Alliance zu gehen. Diese bieten strukturierte Rahmenbedingungen für gemeinsame Projekte, Austauschprogramme oder Doppeldiplome.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige der wichtigsten Allianzen der ETH Zürich, die als Tore für Kooperationen dienen.

ETH Zürich: Strategische Forschungsallianzen als Kooperationsplattform
Allianz/Netzwerk ETH Zürich Fokus
IDEA League Gründungsmitglied 5 führende technische Unis Europas
Top Industrial Managers Mitglied (51 Unis) Austauschprogramme, Doppeldiplome
International Alliance Seit 2006 9 weltweit führende Forschungsunis
ENHANCE-Alliance Seit 2022 Europäische Hochschulen Initiative

Das Missverständnis über den „Bachelor“, das Ihnen Steine in den Weg legt, wenn Sie im Ausland arbeiten wollen

Im globalen Wettbewerb um die besten Talente ist ein Abschluss von der ETH oder EPFL eine harte Währung. Doch viele Absolventen machen den Fehler, den Wert ihres Diploms als selbstverständlich anzusehen. Sie gehen davon aus, dass ein „Bachelor of Science von der ETH“ für sich selbst spricht. Das ist ein Missverständnis, das besonders bei Bewerbungen im Ausland, beispielsweise im angloamerikanischen Raum, zu Nachteilen führen kann. Dort ist ein „Bachelor“ oft mit einer weniger selektiven, breiter angelegten Grundausbildung assoziiert.

Die strategische Aufgabe besteht darin, die akademische Währung Ihres Abschlusses aktiv zu kommunizieren. Sie müssen einem internationalen Recruiter den Kontext liefern, der den wahren Wert Ihres Diploms verdeutlicht. Es reicht nicht zu sagen, wo Sie studiert haben; Sie müssen erklären, was das bedeutet. Ein Verweis auf die objektiven Leistungsindikatoren der Hochschule ist hierfür das schlagkräftigste Instrument.

Die Autorität der globalen Rankings ist dabei Ihr stärkster Verbündeter. Eine Aussage wie die folgende, platziert im Lebenslauf oder im Anschreiben, rahmt Ihre Ausbildung sofort richtig ein.

Die ETH wird im QS World University Ranking 2026 zum dritten Mal in Folge auf Platz 7 geführt. Damit ist sie die beste Universität in Kontinentaleuropa.

– QS World University Ranking, Switzerland Global Enterprise Report 2026

Doch Zahlen allein sind nicht alles. Sie müssen eine Geschichte erzählen – die Geschichte von Exzellenz, Selektivität und wissenschaftlichem Erbe. Anstatt nur den Titel Ihres Abschlusses zu nennen, sollten Sie ein Portfolio an Beweisen zusammenstellen, das die Einzigartigkeit Ihrer Ausbildung belegt.

Checkliste: Argumente für Ihre internationale Bewerbung

  1. Weltrangliste betonen: Verweisen Sie auf das Top-10-Ranking der ETH im QS-Ranking, oft vor Universitäten wie Cambridge oder dem Caltech.
  2. Nobelpreisträger erwähnen: Nennen Sie die Verbindung der Hochschule zu 21 Nobelpreisträgern, einschliesslich Albert Einstein, als Beleg für eine lange Tradition der Exzellenz.
  3. Selektivität hervorheben: Kommunizieren Sie die hohe Hürde des Studiums, z.B. durch die Erwähnung der hohen Durchfallquote im Basisjahr, um die erworbene Belastbarkeit zu demonstrieren.
  4. Forschungsexzellenz belegen: Weisen Sie auf konkrete Erfolge wie die hohe Anzahl an eingeworbenen ERC-Grants hin, um Ihre Nähe zur Spitzenforschung zu zeigen.
  5. Karriereerfolg quantifizieren: Nennen Sie die typischen Einstiegsgehälter für ETH-Absolventen (90.000-100.000 CHF), um den Marktwert Ihrer Ausbildung zu untermauern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erfolg an der ETH/EPFL ist weniger eine Frage der Intelligenz als vielmehr der strategischen Anpassung an ein hochkompetitives System.
  • Das Netzwerk, das während des Studiums aufgebaut wird, ist kein Bonus, sondern ein zentraler Hebel für die zukünftige Karriere in Wissenschaft und Industrie.
  • Ein ETH/EPFL-Abschluss ist eine globale „akademische Währung“, deren Wert im internationalen Kontext aktiv kommuniziert und mit Fakten belegt werden muss.

Wie beeinflussen die Pharma-Cluster in Basel und Zug Ihren Arbeitsmarkt?

Ein Abschluss von einer Schweizer Spitzenuniversität ist ein Türöffner, aber der wahre Wert entfaltet sich erst im Kontext des einzigartigen Schweizer Arbeitsmarktes. Für Absolventen der MINT-Fächer, insbesondere aus den Life Sciences, Chemie oder Informatik, wirken die global bedeutenden Pharma- und Biotech-Cluster in den Regionen Basel („Health Valley“) und Zug wie ein Gravitationszentrum. Diese Ökosysteme bieten nicht nur eine hohe Dichte an Arbeitsplätzen, sondern auch aussergewöhnliche Karriere- und Gehaltsperspektiven.

Die Arbeitsmarktchancen für Akademiker in der Schweiz sind generell exzellent. Während die mittlere Erwerbslosigkeit bei nur 3.9% für Schweizer Hochschulabsolventen ein Jahr nach Abschluss liegt, sind die Aussichten für ETH- und EPFL-Abgänger noch besser. Sie werden von den forschungsintensiven Unternehmen der Pharma-Cluster aktiv umworben. Diese Unternehmen suchen genau das, was an der ETH und EPFL gelehrt wird: tiefes Fachwissen, Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, an der vordersten Front der Wissenschaft zu arbeiten.

Die finanziellen Anreize sind dabei ein deutlicher Indikator für den hohen Wert, der diesen Absolventen beigemessen wird. Die Gehaltsaussichten sind nicht nur gut, sie sind aussergewöhnlich.

Fallstudie: Gehaltsaussichten für ETH-Absolventen

Fünf Jahre nach einem Masterabschluss an der ETH in den exakten und Naturwissenschaften liegt das mittlere Bruttojahreseinkommen bei beeindruckenden 90’000 Franken. Bei interdisziplinären Wissenschaften, die in der modernen Pharmaforschung immer gefragter sind, steigt dieser Wert sogar auf 100’100 Franken. Die Daten zeigen auch klar: Wer eine Führungsposition anstrebt, für den ist ein Doktorat eine strategische Investition. Fünf Jahre nach einem ETH-Doktorat war mehr als die Hälfte der Absolventen bereits in einer Führungsposition tätig, was sich in einem nochmals deutlich höheren Einkommenspotenzial niederschlägt.

Diese Cluster sind mehr als nur eine Ansammlung von Firmen. Sie sind dynamische Ökosysteme aus Grosskonzernen (wie Roche und Novartis), innovativen KMUs, Start-ups und Zulieferern. Für Absolventen bedeutet dies eine hohe Arbeitsplatzsicherheit und die Möglichkeit, die Karriere durch Wechsel zwischen verschiedenen Unternehmensgrössen und -kulturen gezielt zu steuern. Die Nähe zur Spitzenforschung der Hochschulen sorgt zudem für einen ständigen Innovationsfluss, der den Arbeitsmarkt dynamisch und zukunftssicher hält.

Die Reise durch das Ökosystem der ETH und EPFL ist anspruchsvoll, aber die Belohnungen sind immens. Der nächste logische Schritt besteht darin, diese strategische Denkweise auf Ihre eigene Situation anzuwenden und Ihre Karriere proaktiv zu gestalten.

Häufig gestellte Fragen zum Studium und zur Karriere an der ETH

Wie viele ERC-Grants hat die ETH für unabhängige Grundlagenforschung erhalten?

Die ETH hat 84 ERC-Grants für Grundlagenforschung auf höchstem Niveau eingeworben und konnte zudem 586 Millionen Franken aus dem 7. Forschungsrahmenprogramm der EU sichern, was ihre Stärke in der unabhängigen Forschung unterstreicht.

Welche Programme unterstützen Gründer an der ETH?

Ein starkes Ökosystem aus dem Pioneer Fellowship, dem Student Project House und dem ETH Entrepreneur Club bietet umfassende Unterstützung für Studierende und Forschende, die ein Start-up gründen möchten.

Wie erfolgreich sind ETH-Ausgründungen langfristig?

Die Nachhaltigkeit ist aussergewöhnlich hoch: Von den über 600 Spin-offs, die seit 1973 gegründet wurden, sind heute noch beeindruckende 93% aktiv, was für die Qualität der Geschäftsmodelle und die Stärke des Ökosystems spricht.

Geschrieben von Lukas Imhof, Dr. sc. techn. ETH und Innovationsberater für industrielle Digitalisierung und Robotik. Spezialist für Smart Factory Lösungen, IoT und Drohnentechnologie in der Schweizer Präzisionsindustrie.