
Der wahre Vorteil der Schweizer Pharma-Forschung für Patienten liegt nicht im Prestige, sondern in einem einzigartigen Ökosystem, das konkreten Zugang zu innovativen Therapien schafft.
- Die geografische Nähe von Forschung, Kliniken und Industrie, insbesondere im Cluster Basel, beschleunigt den Transfer neuer Erkenntnisse in die Praxis.
- Spezifische rechtliche Rahmenbedingungen wie der Artikel 71 KVV ermöglichen die Kostenübernahme für nicht zugelassene, aber vielversprechende Behandlungen.
Empfehlung: Nutzen Sie die hier vorgestellten, spezifisch schweizerischen Werkzeuge und Rechte, um proaktiv Zugang zu den für Sie passenden klinischen Studien und neuen Therapieoptionen zu finden.
Die Diagnose einer schweren oder chronischen Krankheit stellt das Leben auf den Kopf. Wenn Standardtherapien an ihre Grenzen stossen, keimt die Hoffnung oft in Richtung neuer, innovativer Behandlungsansätze. Man hört oft, die Schweiz sei ein weltweit führender Pharmastandort. Doch was bedeutet das konkret für Sie als Patient? Abseits von volkswirtschaftlichen Kennzahlen und Unternehmensgewinnen stellt sich die drängende Frage: Wie verwandelt sich diese abstrakte Stärke in eine greifbare Chance auf eine bessere Behandlung und mehr Lebensqualität?
Die üblichen Ratschläge erschöpfen sich schnell in allgemeinen Hinweisen. Doch der entscheidende Vorteil für Patienten in der Schweiz liegt tiefer. Es ist nicht allein die Existenz grosser Pharmaunternehmen, sondern das engmaschige und dynamische Ökosystem, in dem sie agieren. Die wahre Stärke ist die nahtlose Verbindung zwischen Grundlagenforschung an Universitäten, der Entwicklung in den Unternehmen, der klinischen Anwendung in den Spitälern und einem spezifischen rechtlichen Rahmen, der den Zugang fördert. Dieser Vorteil ist nicht nur theoretisch, sondern geografisch und strukturell verankert.
Dieser Artikel dient Ihnen als Wegweiser durch dieses komplexe, aber chancenreiche Umfeld. Wir werden nicht nur aufzeigen, dass es neue Therapien gibt, sondern auch, wie Sie den Weg dorthin finden. Von der gezielten Suche nach klinischen Studien über das Verständnis personalisierter Medizin bis hin zur Klärung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse – wir beleuchten die konkreten Schritte und Mechanismen, die Ihnen als Patient in der Schweiz zur Verfügung stehen. Es geht darum, den „Ökosystem-Vorteil“ für Ihre Gesundheit nutzbar zu machen.
Dieser Leitfaden strukturiert die entscheidenden Fragen und Antworten, um Ihnen einen klaren Überblick über Ihre Möglichkeiten im Schweizer Gesundheitssystem zu geben. Erfahren Sie, wie Sie die einzigartigen Ressourcen dieses Forschungsstandorts für sich nutzen können.
Inhalt: Ihr Wegweiser durch die Schweizer Pharma-Forschung
- Wie finden Sie eine Studie für Ihre Krankheit, wenn die Standardtherapie versagt?
- Warum wirkt das Krebsmedikament bei Ihrem Nachbarn, aber nicht bei Ihnen?
- Warum ist die Nähe zur Forschung in Basel ein Überlebensvorteil für Schweizer Patienten?
- Das Risiko, Versuchskaninchen zu sein: Worauf müssen Sie im Aufklärungsgespräch achten?
- Wann muss die Krankenkasse die 200’000 Franken für Ihre Therapie bezahlen (Art. 71 KVV)?
- Zug oder Basel: Welcher Kanton bietet das bessere steuerliche Umfeld für Ihren Firmensitz?
- Wann ist Industriesponsoring ein Karrierebooster und wann gefährdet es Ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit?
- Wie beeinflussen die Pharma-Cluster in Basel und Zug Ihren Arbeitsmarkt?
Wie finden Sie eine Studie für Ihre Krankheit, wenn die Standardtherapie versagt?
Für viele Patienten ist die Teilnahme an einer klinischen Studie die einzige Möglichkeit, Zugang zu den neuesten medizinischen Entwicklungen zu erhalten. Der erste Schritt ist oft der schwierigste: die Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten. Die Schweiz bietet hierfür jedoch strukturierte und verlässliche Anlaufstellen. Der Schlüssel liegt darin, die offiziellen nationalen Portale zu kennen und zu nutzen. Laut dem aktuellen Panorama Gesundheit von Interpharma wurden 2024 allein 137 neue klinische Studien von Swissmedic bewilligt, was das hohe Tempo der Forschung unterstreicht.
Der zentrale Einstiegspunkt ist das Swiss National Clinical Trials Portal (SNCTP). Diese von den Behörden betriebene Datenbank listet alle in der Schweiz genehmigten Humanforschungsstudien auf. Durch gezielte Filter wie „Recruiting“ (rekrutiert aktiv Teilnehmer) und die Eingrenzung auf die Schweiz können Sie eine relevante Vorauswahl treffen. Doch die reine Datenbankrecherche ist nur ein Teil des Weges. Die direkte Kontaktaufnahme mit den spezialisierten Abteilungen der grossen Universitätsspitäler (z.B. USZ in Zürich, Inselspital in Bern, HUG in Genf) für eine Zweitmeinung kann entscheidende Türen öffnen, da die dortigen Experten oft den besten Überblick über laufende und geplante Studien haben.

Eine gute Vorbereitung ist dabei essenziell. Stellen Sie alle relevanten medizinischen Unterlagen zusammen: detaillierte Diagnoseberichte, wichtige Laborwerte und eine lückenlose Dokumentation Ihrer bisherigen Therapieverläufe. Organisationen wie die Krebsliga Schweiz bieten zudem spezialisierte Patienten-Lotsen an, die Sie bei der Suche und bei der Kontaktaufnahme mit den richtigen Stellen unterstützen können. Diese Kombination aus digitaler Recherche und persönlicher Beratung maximiert Ihre Chancen, eine passende Studie zu finden.
Dieser proaktive Ansatz, bei dem Sie gut informiert und vorbereitet sind, ist der erste Schritt, um die Möglichkeiten des Forschungsstandorts Schweiz für sich zu nutzen.
Warum wirkt das Krebsmedikament bei Ihrem Nachbarn, aber nicht bei Ihnen?
Diese Frage berührt den Kern der modernen Medizin: die Individualität. Die Erkenntnis, dass Krankheiten wie Krebs keine einheitlichen Leiden sind, sondern sich auf molekularer Ebene von Patient zu Patient stark unterscheiden, hat die Forschung revolutioniert. Die Antwort liegt in der personalisierten Medizin, einem Bereich, in dem die Schweiz eine führende Rolle einnimmt. Ihr Ziel ist es, die richtige Therapie für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit zu finden, basierend auf dessen einzigartigem genetischen Profil und den spezifischen Merkmalen des Tumors.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist das Swiss Personalized Health Network (SPHN). Diese nationale Initiative fördert die Zusammenarbeit zwischen den Schweizer Universitätsspitälern, um Gesundheitsdaten für die Forschung nutzbar und vergleichbar zu machen. Durch die standardisierte Analyse von Tumorprofilen aus Biobanken können Forscher und Ärzte verstehen, warum identische Medikamente so unterschiedlich wirken. Diese verbesserte Daten-Interoperabilität zwischen den Kliniken ist die Grundlage, um Therapieentscheidungen nicht mehr nach dem „Giesskannenprinzip“, sondern hochgradig personalisiert zu treffen. Es geht darum, die spezifische „Achillesferse“ eines Tumors zu finden und diese gezielt anzugreifen.
Für Patienten bedeutet dies, dass der Zugang zu einer Therapie über verschiedene Wege erfolgen kann, die jeweils unterschiedliche Voraussetzungen haben. Die Teilnahme an einer klinischen Studie ist oft der direkteste Weg. Besteht diese Möglichkeit nicht, gibt es unter strengen Auflagen weitere Optionen.
| Zugangsweg | Voraussetzungen | Kostenübernahme | Zeitrahmen |
|---|---|---|---|
| Klinische Studie | Erfüllung der Einschlusskriterien | Durch Studiensponsor | Sofort nach Aufnahme |
| Off-Label-Use (Art. 71 KVV) | Lebensbedrohliche Erkrankung, grosser therapeutischer Nutzen | Nach Kostengutsprache der Krankenkasse | 2-4 Wochen Bearbeitungszeit |
| Compassionate Use | Keine zugelassene Alternative verfügbar | Teilweise durch Hersteller | 4-8 Wochen |
Die Antwort auf die Eingangsfrage ist also nicht entmutigend, sondern hoffnungsvoll: Weil die Medizin immer besser versteht, was Sie von Ihrem Nachbarn unterscheidet, steigen die Chancen, eine Therapie zu finden, die genau bei Ihnen wirkt.
Warum ist die Nähe zur Forschung in Basel ein Überlebensvorteil für Schweizer Patienten?
Der Begriff „Pharma-Cluster“ klingt abstrakt, doch für Patienten in der Schweiz hat er eine sehr konkrete, lebenswichtige Bedeutung. Die extreme geografische Dichte von führenden Pharmaunternehmen, exzellenten Universitätskliniken und innovativen Biotech-Startups – insbesondere in der Region Basel – schafft einen einzigartigen Vorteil. Es ist ein Ökosystem, in dem Ideen, Daten und Expertenwissen so schnell zirkulieren wie kaum anderswo auf der Welt. Dieser Wissens- und Technologietransfer von der Laborbank direkt ans Krankenbett ist hier keine Theorie, sondern gelebter Alltag.
Die Zahlen verdeutlichen diese Konzentration: Allein bei Novartis in Basel arbeiten über 5’000 Mitarbeitende im Bereich Forschung und Entwicklung, was die immense lokale Expertise unterstreicht. Dieser physische „Hotspot“ führt dazu, dass Spitzenforscher der Industrie und klinische Ärzte der Unispitäler sich regelmässig austauschen, sei es in formellen Kooperationen oder informellen Netzwerken. Ein Patient, der am Universitätsspital Basel behandelt wird, profitiert direkt von dieser Nähe, da die behandelnden Ärzte oft an der Entwicklung ebenjener Medikamente beteiligt sind, die sie einsetzen.

Dieser Vorteil ist jedoch nicht auf die Region Basel beschränkt. Dank des Rechts auf freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz können auch Patienten aus peripheren Kantonen Zugang zu den führenden Studienzentren in den Universitätskantonen erhalten. Pharmaunternehmen wie MSD Schweiz führen ihre Studien gezielt in diesen Zentren durch. Ein Patient aus dem Tessin mit einer seltenen Lungenkrankheit kann beispielsweise in das spezialisierte Studienprogramm am Universitätsspital Zürich aufgenommen werden. Die geografische Nähe der Forschung in Basel wirkt somit als Motor für das gesamte Schweizer Gesundheitssystem.
Letztlich bedeutet die Nähe zur Forschung eine Beschleunigung des Zugangs: Kürzere Wege, schnellere Kommunikation und eine höhere Dichte an Expertise erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass die richtige Innovation zur richtigen Zeit den richtigen Patienten erreicht.
Das Risiko, Versuchskaninchen zu sein: Worauf müssen Sie im Aufklärungsgespräch achten?
Die Vorstellung, als „Versuchskaninchen“ zu dienen, ist eine der grössten Sorgen von Patienten, die eine Studienteilnahme in Betracht ziehen. Diese Angst ist verständlich, basiert aber oft auf einem Missverständnis der strengen regulatorischen und ethischen Rahmenbedingungen, die in der Schweiz gelten. Kein Patient nimmt an einer Studie teil, ohne dass diese von mehreren unabhängigen Instanzen auf Herz und Nieren geprüft wurde. Das Fundament des Patientenschutzes ist das informierte Einverständnis – die „informed consent“.
Das Aufklärungsgespräch mit dem Studienarzt ist der zentrale Moment, in dem Sie von einem passiven Betroffenen zu einem aktiven, informierten Partner werden. Es ist Ihr Recht und Ihre Pflicht, alle Fragen zu stellen, die Sie beschäftigen. Es gibt keine dummen Fragen, wenn es um Ihre Gesundheit geht. Eine zentrale beruhigende Tatsache ist die Rolle der kantonalen Ethikkommissionen.
Alle Studien und Untersuchungen, die bei uns durchgeführt werden, wurden im Hinblick auf ethische, medizinisch-wissenschaftliche und rechtliche Aspekte durch die Ethikkommission geprüft und genehmigt.
– Universitätsspital Basel, Offizielle Information zu klinischen Studien
Diese Aussage unterstreicht, dass eine unabhängige Instanz bereits über Ihre Sicherheit gewacht hat, bevor Sie überhaupt von der Studie erfahren. Um das Aufklärungsgespräch optimal zu nutzen, sollten Sie sich vorbereiten und gezielt nachfragen. Es geht darum, die Spielregeln, Ihre Rechte und die potenziellen Konsequenzen vollständig zu verstehen.
Ihre Checkliste für das Aufklärungsgespräch
- Zuständigkeiten prüfen: Fragen Sie nach der genauen Bezeichnung der zuständigen kantonalen Ethikkommission und der offiziellen Genehmigungsnummer der Studie.
- Versicherungsschutz klären: Klären Sie den genauen Umfang der studienspezifischen Probandenversicherung. Wer haftet bei unerwarteten Nebenwirkungen oder Komplikationen?
- Datenschutz verstehen: Erfragen Sie, wer genau Zugriff auf Ihre anonymisierten oder pseudonymisierten Studiendaten hat und wie lange diese Daten gespeichert werden.
- Die Zeit danach besprechen: Klären Sie die „Post-Trial-Optionen“. Was passiert, wenn die Studie endet? Besteht die Möglichkeit, das Medikament weiter zu erhalten, wenn es bei Ihnen wirkt?
- Placebo-Risiko einordnen: Verstehen Sie die Wahrscheinlichkeit, ein Placebo zu erhalten. Werden Sie in diesem Fall trotzdem die bestmögliche Standardtherapie erhalten (dies ist in der Regel der Fall)?
Indem Sie diese Fragen stellen, schützen Sie nicht nur sich selbst, sondern stärken auch die Qualität der Forschung, die auf transparenten und partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Forschern und Patienten basiert.
Wann muss die Krankenkasse die 200’000 Franken für Ihre Therapie bezahlen (Art. 71 KVV)?
Eine innovative Krebstherapie kann schnell Kosten von mehreren hunderttausend Franken verursachen. Wenn ein solches Medikament in der Schweiz noch nicht offiziell zugelassen ist (oder nicht für Ihre spezifische Indikation), scheint die Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenversicherung zunächst ausgeschlossen. Hier kommt jedoch ein entscheidender Mechanismus des Schweizer Gesundheitssystems ins Spiel: die Vergütung im Einzelfall gemäss Artikel 71a-d der Krankenversicherungsverordnung (KVV).
Diese Regelung ist ein Sicherheitsnetz und ein Hoffnungsschimmer für Patienten in besonders schweren Situationen. Sie ermöglicht es dem behandelnden Arzt, bei der Krankenkasse eine Kostengutsprache für eine nicht zugelassene Therapie zu beantragen. Dies ist jedoch kein automatischer Prozess, sondern an strenge Bedingungen geknüpft. Die beiden wichtigsten Voraussetzungen sind:
- Die Krankheit ist für den Patienten lebensbedrohend oder kann zu schweren und chronischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.
- Es wird ein grosser therapeutischer Nutzen von der Behandlung erwartet. Das bedeutet, es gibt keine andere wirksame, zugelassene Standardtherapie und wissenschaftliche Daten deuten darauf hin, dass das neue Medikament eine deutliche Verbesserung bringen könnte.
Die Bedeutung dieser Einzelfallvergütung ist enorm. Jährlich werden in der Schweiz rund 25’000 solcher Gesuche um Kostenübernahme gestellt. Dies zeigt, dass es sich um ein etabliertes und häufig genutztes Instrument handelt. Die Bewilligungsquoten variieren jedoch stark zwischen den verschiedenen Krankenkassen und liegen zwischen 45% und 95%. Ein gut begründetes Gesuch des Arztes, das den hohen therapeutischen Nutzen klar belegt, ist daher entscheidend für den Erfolg.
Auch wenn der Prozess eine sorgfältige Prüfung durch den Vertrauensarzt der Kasse erfordert und einige Wochen dauern kann, stellt Artikel 71 KVV eine faire und wichtige Chance dar, Zugang zu lebensrettenden Innovationen zu erhalten, noch bevor diese für die breite Masse verfügbar sind.
Zug oder Basel: Welcher Kanton bietet das bessere steuerliche Umfeld für Ihren Firmensitz?
Während die steuerliche Attraktivität für die Ansiedlung von Unternehmen entscheidend ist, liegt der direkte Nutzen für Sie als Patient in einer anderen Kennzahl: den Reinvestitionen. Die Pharmabranche in der Schweiz zeichnet sich durch eine ausserordentlich hohe Forschungs- und Entwicklungsquote aus. Diese Investitionen fliessen direkt zurück in die Entwicklung neuer Medikamente und somit potenziell in Ihre zukünftige Behandlung. Die Frage ist also weniger, wo ein Unternehmen Steuern spart, sondern wie viel es in die Innovation investiert, die Ihnen zugutekommt.
Die Konzentration von Unternehmen in Clustern wie Basel und Zug führt zu einem positiven Kreislauf. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglicht massive Investitionen in die Forschung, die wiederum den Standort stärken. So unterhält beispielsweise Novartis allein in der Schweiz über 120 aktive Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Diese enge Verflechtung zwischen Industrie und Akademie ist der Nährboden für medizinische Durchbrüche. Patienten, die in der Nähe dieser Zentren behandelt werden, profitieren als Erste von diesen Innovationen, etwa durch den Zugang zu Studien in Bereichen wie Herzinsuffizienz, Onkologie oder Nierenerkrankungen.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Ausbildung der nächsten Generation von Forschern und Ärzten. Institute wie das Friedrich Miescher Institute (FMI) in Basel, das massgeblich von der Industrie gefördert wird, bilden Hunderte von jungen Wissenschaftlern aus. Diese hochqualifizierten Fachkräfte arbeiten später in den Spitälern und Forschungseinrichtungen der ganzen Schweiz und tragen das innovative Denken und die neuesten Methoden in die klinische Praxis. Ihr behandelnder Arzt von morgen wird also heute im Herzen dieser Forschungscluster ausgebildet.
Letztlich schafft das wirtschaftlich erfolgreiche Umfeld die finanzielle Basis für den Forschungsfortschritt. Jeder Franken, den ein Pharmaunternehmen in der Schweiz in F&E investiert, ist eine Investition in die Gesundheit zukünftiger Patienten.
Wann ist Industriesponsoring ein Karrierebooster und wann gefährdet es Ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit?
Aus Patientensicht lautet die entscheidende Frage anders: „Profitiere ich vom Industriesponsoring und wie wird meine Sicherheit dabei gewährleistet?“ Die Finanzierung klinischer Studien durch Pharmaunternehmen ist keine Nebensächlichkeit, sondern die Regel und eine absolute Notwendigkeit. Ohne diese massiven finanziellen Mittel würden die meisten neuen Medikamente die Patienten niemals erreichen, da die Durchführung grosser, internationaler Studien für öffentliche Institutionen allein nicht finanzierbar wäre.
Die Sorge vor einer Beeinflussung der Studienergebnisse durch den Sponsor ist berechtigt, weshalb in der Schweiz ein mehrstufiges System von Kontrollen und Transparenzvorschriften existiert. Dieses System soll sicherstellen, dass das Wohl des Patienten und die wissenschaftliche Integrität immer an erster Stelle stehen. Für Sie als Patient sind diese „Leitplanken“ die wichtigste Garantie, dass Ihre Teilnahme an einer Studie sicher und ethisch einwandfrei ist. Die drei wichtigsten Säulen dieses Schutzsystems sind:
Erstens, die strikte Aufsicht durch Swissmedic, die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Heilmittel. Sie prüft und genehmigt jedes Detail eines Studienprotokolls, bevor auch nur ein einziger Patient rekrutiert werden darf. Zweitens, die bereits erwähnten kantonalen Ethikkommissionen, die jeden Aspekt einer Studie aus ethischer Sicht bewerten und die Rechte der Teilnehmer schützen. Drittens, der Pharmakodex, eine Selbstverpflichtung der Industrie, die unter anderem die Offenlegung aller finanziellen Zuwendungen an Ärzte und Spitäler vorschreibt, um potenzielle Interessenkonflikte transparent zu machen.
Der folgende Überblick zeigt, wie diese Regulierungen ineinandergreifen, um den Patientenschutz zu maximieren.
| Regulierung | Anforderung | Nutzen für Patienten |
|---|---|---|
| Pharmakodex | Offenlegung aller Zuwendungen an Ärzte | Transparenz über potenzielle Interessenkonflikte |
| Swissmedic-Aufsicht | Genehmigung aller Studienprotokolle | Sicherheit durch unabhängige Prüfung |
| Ethikkommissionen | Bewertung ethischer Aspekte | Schutz der Patientenrechte |
Das Sponsoring durch die Industrie ist also nicht das Problem, sondern Teil der Lösung, solange es in einem streng regulierten und transparenten Rahmen stattfindet. Für Patienten in der Schweiz ist dieser Rahmen robust und verlässlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Der wahre Vorteil für Patienten in der Schweiz liegt im strukturellen Zugang zu Innovationen, ermöglicht durch ein enges Ökosystem und spezifische Gesetze (z.B. Art. 71 KVV).
- Die personalisierte Medizin, angetrieben durch nationale Datennetzwerke (SPHN), ist der Schlüssel zu wirksameren Behandlungen und die Schweiz ist hier führend.
- Die geografische Konzentration der Forschung (z.B. in Basel) ist ein direkter, greifbarer Vorteil, der den Wissensaustausch beschleunigt und allen Patienten über die freie Spitalwahl zugutekommt.
Wie beeinflussen die Pharma-Cluster in Basel und Zug Ihren Arbeitsmarkt?
Für einen Patienten ist die wichtigste Auswirkung der Pharma-Cluster nicht die Anzahl der verfügbaren Arbeitsplätze, sondern die Dichte an hochkarätiger Expertise. Ein florierender Arbeitsmarkt für Spezialisten in den Life Sciences bedeutet, dass die besten Köpfe der Welt in die Schweiz kommen und hierbleiben. Diese Konzentration von Talent hat einen direkten und positiven Einfluss auf die Qualität Ihrer Behandlung.
Ein hervorragendes Beispiel hierfür sind die interdisziplinären Tumor-Boards, die an Schweizer Universitätsspitälern Standard sind. In diesen wöchentlichen Sitzungen kommen Experten verschiedenster Fachrichtungen – Onkologen, Radiologen, Chirurgen, Pathologen und oft auch Grundlagenforscher – zusammen, um komplexe Patientenfälle zu besprechen. Die hohe Dichte an Fachkräften in den Cluster-Regionen ermöglicht es, dass für fast jede seltene oder komplizierte Erkrankung ein Top-Spezialist zurate gezogen werden kann. Diese Bündelung von Wissen führt zu schnelleren und präziseren Therapieentscheidungen für den einzelnen Patienten.
Das Universitätsspital Basel, das im Herzen des grössten Clusters liegt, führt beispielsweise über 70 klinische Studien allein in der Onkologie durch. Diese hohe Studienaktivität ist nur möglich, weil das notwendige Fachpersonal – von Studienärzten bis zu spezialisierten Pflegekräften – vor Ort verfügbar ist. Sie als Patient profitieren von dieser direkten Verbindung zwischen klinischem Betrieb und Spitzenforschung, da neueste Erkenntnisse unmittelbar in die Behandlungsstrategien einfliessen.
Diese geballte Innovationskraft schlägt sich letztlich in beeindruckenden Zahlen nieder. Die Schweiz ist Weltmeisterin bei den Patentanmeldungen pro Kopf. Laut dem Interpharma Panorama Gesundheit führt die Schweiz mit 1’112 Patentanmeldungen pro Million Einwohner die globale Rangliste an – mehr als doppelt so viele wie Schweden auf Platz zwei. Jedes dieser Patente repräsentiert eine neue Idee, eine potenzielle neue Therapie und damit eine neue Hoffnung für Patienten.
Der nächste Schritt besteht darin, diese Informationen zu nutzen und proaktiv das Gespräch mit Ihrem Behandlungsteam zu suchen, um Ihre individuellen Optionen zu prüfen. Die Strukturen und Experten in der Schweiz sind vorhanden – nutzen Sie sie für Ihre Gesundheit.