Schweizer Investor analysiert Dividendenportfolio mit Finanzunterlagen und Bergen im Hintergrund
Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Ein stabiles Dividendeneinkommen in der Schweiz hängt weniger von der Jagd nach hohen Renditen ab, sondern von einem disziplinierten System, das auf Qualität, Steueroptimierung und Risikokontrolle basiert.

  • Qualitätsunternehmen mit stetig wachsenden Dividenden sind langfristig sicherer als riskante Hochzins-Titel.
  • Die aktive Rückforderung der 35% Verrechnungssteuer ist ein entscheidender, oft übersehener Renditehebel.
  • Die Gesundheit einer Dividende wird nicht an der Rendite, sondern an der Ausschüttungsquote aus dem freien Cashflow gemessen.

Empfehlung: Priorisieren Sie die Qualität und das Dividendenwachstum einer Aktie vor der reinen Rendite und machen Sie die Rückforderung der Verrechnungssteuer zu einem festen Bestandteil Ihrer Anlagestrategie.

Der Wunsch nach einem passiven Einkommen, das den Lebensstandard im Ruhestand sichert oder finanzielle Freiheit ermöglicht, ist für viele Schweizer Anleger ein zentrales Ziel. Dividenden aus soliden Schweizer Unternehmen scheinen hierfür der Königsweg zu sein: Regelmässige Ausschüttungen in Schweizer Franken, direkt auf das eigene Konto. Doch viele Investoren tappen in die Falle, ausschliesslich auf die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite zu setzen. Sie jagen den kurzfristigen Ertrag und übersehen dabei die stillen Gefahren wie Dividendenkürzungen, Substanzverlust und eine unnötig hohe Steuerlast.

Die gängige Meinung suggeriert, dass ein Portfolio aus bekannten SMI-Titeln ausreicht, um einen stetigen Cashflow zu generieren. Doch dieser Ansatz ist oft zu simpel und ignoriert die entscheidenden Faktoren, die eine Dividendenstrategie wirklich robust und nachhaltig machen. Was, wenn der wahre Schlüssel zu einem verlässlichen Dividendeneinkommen nicht in der Höhe der aktuellen Rendite liegt, sondern in der Qualität des Unternehmens, der Disziplin bei der Reinvestition und vor allem in der intelligenten Strukturierung zur Minimierung der Steuerlast?

Dieser Artikel verfolgt genau diesen Ansatz. Wir betrachten den Aufbau eines Dividendeneinkommens nicht als Sprint, sondern als Marathon. Es geht darum, ein System zu etablieren, das auf den drei Säulen Sicherheit, Wachstum und steuerlicher Effizienz fusst. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Spreu vom Weizen trennen, administrative Hürden wie die Verrechnungssteuer meistern und Ihr Vermögen so strukturieren, dass es langfristig für Sie arbeitet – und nicht nur für das Steueramt.

Der folgende Leitfaden führt Sie systematisch durch die wichtigsten Aspekte einer pragmatischen und langfristig orientierten Dividendenstrategie für Schweizer Anleger. Entdecken Sie, wie Sie ein Portfolio aufbauen, das Ihnen nicht nur heute, sondern auch in Zukunft ein zuverlässiges Zusatzeinkommen sichert.

Warum sind Unternehmen, die seit 10 Jahren die Dividende erhöhen, sicherer als High-Yielder?

Für einkommensorientierte Investoren ist die Verlockung einer hohen Dividendenrendite (High Yield) gross. Eine Rendite von 5% oder mehr verspricht einen schnellen und hohen Cashflow. Doch diese Zahl ist oft ein Trugschluss und kann ein Warnsignal sein. Eine aussergewöhnlich hohe Rendite entsteht häufig nicht durch eine grosszügige Dividendenpolitik, sondern durch einen gefallenen Aktienkurs. Dies deutet oft auf fundamentale Probleme im Unternehmen hin, die eine zukünftige Dividendenkürzung wahrscheinlich machen – ein Szenario, das den Cashflow und den Kapitalwert des Investors gleichermassen gefährdet.

Der geduldige und pragmatische Ansatz konzentriert sich stattdessen auf Dividenden-Aristokraten oder -Wachstumswerte. Dies sind Unternehmen, die ihre Dividende nicht nur konstant zahlen, sondern sie über viele Jahre hinweg, beispielsweise ein Jahrzehnt oder länger, kontinuierlich steigern. Eine solche Historie ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines robusten Geschäftsmodells, einer starken Marktposition und einer disziplinierten Unternehmensführung. Es signalisiert, dass das Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen in der Lage ist, genügend freien Cashflow zu generieren, um sowohl in das eigene Wachstum zu investieren als auch die Aktionäre am Erfolg zu beteiligen.

Die Sicherheit liegt hier in der Vorhersehbarkeit und der unternehmerischen Stärke. Während ein High-Yielder möglicherweise eine einmalig hohe Auszahlung bietet, die im nächsten Jahr gekürzt wird, liefert ein Unternehmen mit stetigem Dividendenwachstum einen verlässlichen und über die Zeit ansteigenden Einkommensstrom. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist diese berechenbare Stabilität weitaus wertvoller als die riskante Jagd nach der höchsten aktuellen Rendite.

Wie fordern Sie die 35% Verrechnungssteuer auf Dividenden korrekt und schnell zurück?

Eine der grössten Hürden und zugleich grössten Renditechancen für Schweizer Dividendeninvestoren ist die Verrechnungssteuer von 35%. Bei jeder Dividendenausschüttung eines Schweizer Unternehmens werden automatisch 35% des Bruttobetrags abgezogen und an die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) abgeführt. Für Anleger, die ihr Vermögen in der Schweiz deklarieren, ist dieser Betrag jedoch nicht verloren. Er kann vollständig zurückgefordert werden, was die Nettorendite signifikant erhöht. Diesen Prozess zu ignorieren, bedeutet, freiwillig auf mehr als ein Drittel des Ertrags zu verzichten.

Die Rückforderung erfolgt im Rahmen der jährlichen Steuererklärung. Die ausgeschütteten Bruttodividenden und die abgezogene Verrechnungssteuer müssen im Wertschriftenverzeichnis korrekt deklariert werden. Nach Prüfung durch die kantonale Steuerbehörde wird der Betrag entweder mit der geschuldeten Einkommenssteuer verrechnet oder direkt zurückerstattet. Der Prozess erfordert Sorgfalt, ist aber für in der Schweiz steuerpflichtige Personen standardisiert und unkompliziert. Das Sammeln der Bankbelege (Tax Vouchers) über das Jahr hinweg ist dabei der entscheidende Schritt zur Vorbereitung.

Nahaufnahme einer Hand, die ein Schweizer Steuerformular ausfüllt mit Taschenrechner im Hintergrund

Für im Ausland ansässige Personen ist der Prozess etwas aufwendiger und erfordert separate Formulare, aber das Prinzip bleibt dasselbe: Die Schweiz erstattet die Steuer zurück, sofern ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht. Der Schlüssel liegt darin, den Prozess nicht als lästige Pflicht, sondern als integralen Bestandteil der Anlagestrategie zu betrachten. Eine korrekte und schnelle Rückforderung ist ein direkter und risikofreier Renditebeitrag.

Ihr Plan zur Rückforderung der Verrechnungssteuer

  1. Laden Sie das deutschsprachige Formular vom ePortal der Schweizer Steuerbehörden herunter, falls Sie im Ausland ansässig sind. In der Schweiz erfolgt die Deklaration direkt im Wertschriftenverzeichnis Ihrer Steuererklärung.
  2. Füllen Sie das Formular bzw. das Wertschriftenverzeichnis vollständig aus. Für ausländische Anträge ist eine Beglaubigung durch Ihr zuständiges Finanzamt notwendig.
  3. Reichen Sie die Unterlagen bei der zuständigen Behörde ein (kantonale Steuerbehörde für Inländer, ESTV für Ausländer).
  4. Bewahren Sie die Dividendengutschriften und Tax Vouchers Ihrer Bank als Belege für Ihre Steuererklärung sorgfältig auf.

Dividenden reinvestieren oder auszahlen lassen: Was beschleunigt Ihren Vermögensaufbau mehr?

Jede Dividendenausschüttung stellt den Anleger vor eine Wahl: Soll das Geld für den Konsum verwendet oder direkt wieder in das Portfolio investiert werden? Für Investoren, die noch im Vermögensaufbau sind und den Cashflow nicht zum Leben benötigen, ist die Antwort eindeutig: die sofortige Reinvestition. Dieses Vorgehen ist der Motor des Zinseszinseffekts und beschleunigt das Wachstum eines Portfolios exponentiell.

Durch die Wiederanlage der Dividenden werden neue Aktienanteile gekauft, die in der nächsten Periode ebenfalls Dividenden generieren. So wächst nicht nur der Wert des Portfolios, sondern auch der zukünftige Cashflow. Es entsteht ein sich selbst verstärkender Kreislauf, bei dem das Kapital immer schneller für den Anleger arbeitet. Der Unterschied zwischen einer Strategie mit und ohne Reinvestition ist über lange Zeiträume immens, wie eine Analyse der Luzerner Kantonalbank zeigt.

Wie die Experten der Luzerner Kantonalbank in ihrem Ratgeber betonen, ist die Wiederanlage für alle Anleger ratsam, die keine unmittelbare Verwendung für die Ausschüttungen haben. Die folgende Tabelle verdeutlicht den dramatischen Effekt der Reinvestition auf ein Anfangsinvestment von CHF 10’000 in den Schweizer Aktienmarkt über einen Zeitraum von 29 Jahren.

Vergleich: Reinvestition vs. Auszahlung bei CHF 10’000 Investment über 29 Jahre
Strategie Startsumme (1995) Endwert (2024) Rendite
Mit Dividenden-Reinvestition CHF 10’000 CHF 90’000 +800%
Ohne Reinvestition CHF 10’000 CHF 45’000 +350%

Die Daten sprechen für sich: Die Reinvestition der Dividenden hat den Endwert des Portfolios verdoppelt. Diese Disziplin ist der vielleicht stärkste Hebel für den langfristigen Vermögensaufbau. Für Anleger im Ruhestand, die auf das Einkommen angewiesen sind, stellt sich die Frage anders. Hier kann eine teilweise oder vollständige Auszahlung sinnvoll sein, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch selbst hier kann eine Reinvestition der nicht benötigten Beträge helfen, die Kaufkraft des Kapitals gegen die Inflation zu schützen.

Das Warnsignal in der Bilanz, das eine baldige Dividendenkürzung ankündigt

Die schönste Dividendenrendite ist wertlos, wenn sie nicht nachhaltig ist. Eine plötzliche Kürzung der Dividende führt nicht nur zu einem geringeren Einkommen, sondern wird vom Markt oft mit einem starken Kursverlust bestraft. Als umsichtiger Investor müssen Sie lernen, die Warnsignale zu erkennen, die eine solche Kürzung ankündigen. Das vielleicht wichtigste Signal findet sich nicht in den Schlagzeilen, sondern tief in der Bilanz und der Kapitalflussrechnung: die Ausschüttungsquote (Payout Ratio).

Die Ausschüttungsquote gibt an, welcher Anteil des Gewinns oder – noch aussagekräftiger – des freien Cashflows (Free Cashflow) an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Eine gesunde Quote zeigt, dass das Unternehmen seine Dividende bequem aus dem laufenden Geschäft bezahlen kann und noch genügend Mittel für Investitionen, Schuldentilgung und unvorhergesehene Ereignisse übrig hat. Eine gefährlich hohe Quote hingegen ist ein grosses Warnsignal. Wenn ein Unternehmen fast seinen gesamten Gewinn oder sogar mehr ausschüttet, hat es keinen Puffer mehr. Jeder kleine Geschäftsrückgang kann es dann zwingen, die Dividende zu kürzen, um liquide zu bleiben.

Als Faustregel gilt: Eine Ausschüttungsquote, die dauerhaft über 70-80% des Gewinns liegt, sollte zur Vorsicht mahnen. Experten sind sich einig, dass eine nachhaltige Dividende eine niedrigere Quote erfordert. So betonen Analysten von Raiffeisen Schweiz, dass die ideale Ausschüttungsquote unter 75% liegt, um Spielraum für zukünftiges Wachstum und Krisenfestigkeit zu gewährleisten. Besonders aufschlussreich ist die Quote basierend auf dem freien Cashflow, da dieser die tatsächliche Liquidität des Unternehmens besser widerspiegelt als der buchhalterische Gewinn, der durch Abschreibungen und andere nicht-cashwirksame Posten beeinflusst wird.

Ein Anstieg der Ausschüttungsquote über mehrere Jahre, weil die Dividende schneller wächst als der Gewinn, ist ebenfalls ein rotes Tuch. Der geduldige Investor prüft diese Kennzahl regelmässig und bevorzugt Unternehmen, die ihre Dividende aus einem soliden und wachsenden Fundament heraus steigern.

Wie bauen Sie einen Auszahlungskalender, der Ihnen jeden Monat Schweizer Franken liefert?

Ein wesentliches Ziel für Einkommensinvestoren ist ein regelmässiger und vorhersehbarer Cashflow. Viele Schweizer Unternehmen schütten ihre Dividende jedoch nur einmal jährlich aus, meist gebündelt im zweiten Quartal (März bis Juni). Dies führt zu einem unregelmässigen Einkommensstrom mit Spitzen im Frühling und langen Durststrecken im Rest des Jahres. Ein intelligenter Investor umgeht dieses Problem, indem er sein Portfolio gezielt so diversifiziert, dass er einen monatlichen oder zumindest quartalsweisen Auszahlungskalender aufbaut.

Dies erfordert eine bewusste Auswahl von Aktien, deren Ausschüttungstermine sich über das Jahr verteilen. Neben den typischen Schweizer Jahreszahlern gibt es auch Unternehmen, die halbjährlich oder sogar quartalsweise zahlen. Zudem kann das Portfolio durch internationale Aktien, insbesondere aus dem angelsächsischen Raum (USA, UK), ergänzt werden, wo Quartalsdividenden die Norm sind. Dies sorgt nicht nur für einen glatteren Einkommensstrom, sondern verbessert auch die geografische Diversifikation des Portfolios.

Übersichtlicher Jahreskalender mit farbcodierten Schweizer Firmensymbolen und Franken-Scheinen

Die Konzentration der Dividendenzahlungen im Schweizer Markt ist signifikant. Allein die 20 SMI-Unternehmen schütten den Löwenanteil ihrer Dividenden zwischen März und Juni aus, wobei Schwergewichte wie Nestlé, Novartis und Roche den Takt vorgeben. Ein Portfolio, das sich nur auf diese Titel stützt, wird unweigerlich diesen saisonalen Schwankungen unterliegen. Durch die Beimischung von Unternehmen mit anderen Ausschüttungszyklen, wie beispielsweise halbjährlich zahlenden Versicherungen oder internationalen Quartalszahlern, kann ein Anleger einen Ausgleich schaffen. Ziel ist es, ein Portfolio zu konstruieren, das jeden Monat verlässlich „arbeitet“ und Schweizer Franken generiert – fast wie ein Gehalt.

Die Erstellung eines solchen Kalenders erfordert etwas Recherche, zahlt sich aber durch die hohe Planbarkeit des Einkommens aus. Es wandelt ein unregelmässiges „Extra“ in einen strukturierten und verlässlichen Finanzplan um, was besonders für Rentner von unschätzbarem Wert ist.

Wie reduzieren Sie die Steuerbelastung auf Ihre Dividenden und Zinsen legal?

Neben der Rückforderung der Verrechnungssteuer gibt es weitere legale Möglichkeiten, die Steuerlast auf Dividendenerträge in der Schweiz zu optimieren. Für Privatanleger ist es wichtig zu wissen, dass Dividenden als Einkommen besteuert werden, während Kapitalgewinne aus dem Verkauf von Aktien steuerfrei sind. Diese Asymmetrie kann strategisch genutzt werden. Die Steuerbelastung auf Dividenden variiert zudem erheblich je nach Wohnkanton, was bei der langfristigen Finanz- und Wohnsitzplanung eine Rolle spielen kann.

Eine der elegantesten Methoden zur legalen Steuervermeidung ist das Kapitaleinlageprinzip (KEP). Stammt eine Ausschüttung nicht aus erwirtschafteten Gewinnen, sondern aus Reserven, die von den Aktionären selbst als Kapitaleinlagen eingebracht wurden, ist diese für Privatpersonen in der Schweiz komplett steuerfrei. Namhafte Unternehmen wie Swisscom, Givaudan oder Richemont nutzen diese Möglichkeit regelmässig, um ihren Aktionären einen steueroptimierten Ertrag zu bieten. Bei der Aktienauswahl sollte daher gezielt auf Unternehmen geachtet werden, die eine Historie von Ausschüttungen aus Kapitaleinlagereserven haben.

Für vermögende Anleger kann zudem die Gründung einer Vermögensverwaltungs-GmbH eine interessante Option sein. Dividenden, die in eine solche GmbH fliessen, sind auf Unternehmensebene dank des Beteiligungsabzugs praktisch steuerfrei. Das Geld kann innerhalb der GmbH reinvestiert werden, ohne dass eine Einkommenssteuer anfällt. Erst bei einer späteren Ausschüttung von der GmbH an den privaten Gesellschafter wird die Steuer fällig. Dies ist ein mächtiges Instrument für den langfristigen, steueroptimierten Vermögensaufbau, auch wenn es mit administrativem Aufwand verbunden ist.

Die Steuerbelastung ist ein wesentlicher Faktor, der die Nettorendite direkt beeinflusst. Wie die folgende Übersicht zeigt, kann der Unterschied zwischen den Kantonen erheblich sein, was die Bedeutung einer durchdachten Strategie unterstreicht.

Steuerbelastung auf CHF 10’000 Dividende nach Kantonen
Kanton Grenzsteuersatz Effektive Steuer auf CHF 10’000
Zug 22% CHF 2’200
Schwyz 25% CHF 2’500
Zürich 35% CHF 3’500
Genf 44% CHF 4’400

Alles auf einmal oder lebenslang Geld: Welche Wette gegen den Tod gewinnen Sie?

Die Frage, wie man das angesparte Vermögen im Ruhestand am besten nutzt, ist eine der existenziellsten für jeden Anleger. Soll man das Kapital aufbrauchen, indem man eine hohe Entnahmerate wählt (die „Wette“ auf ein kürzeres Leben), oder eine konservative Rate ansetzen, um sicherzustellen, dass das Geld lebenslang reicht (die „Wette“ auf ein langes Leben)? Eine Dividendenstrategie bietet hier einen pragmatischen Mittelweg: Anstatt das Kapital selbst anzutasten, lebt man von den Erträgen, die es generiert. Dies schützt die Substanz des Vermögens und ermöglicht eine potenziell unendliche Einkommensquelle.

Die klassische „4%-Regel“ als sichere Entnahmerate wird im heutigen Tiefzinsumfeld und angesichts der höheren Lebenserwartung zunehmend in Frage gestellt. Für den Schweizer Kontext empfehlen Finanzexperten oft einen konservativeren Ansatz. Eine Studie legt nahe, dass für Schweizer Rentner eine sichere Entnahmerate eher bei 3% bis 3,5% liegt, um das Risiko eines vorzeitigen Kapitalverzehrs zu minimieren. Ein Dividendenportfolio, das eine nachhaltige Rendite in dieser Grössenordnung erzielt, kann den Kapitalstock unangetastet lassen und sogar durch Reinvestition überschüssiger Erträge weiter wachsen lassen, um die Inflation auszugleichen.

Die Entscheidung hängt letztlich von der individuellen Risikotoleranz und den Lebensumständen ab. Eine reine Dividendenstrategie bietet jedoch eine psychologisch beruhigende Perspektive: Das „Stammkapital“ bleibt erhalten, während man von den „Früchten“ lebt. Dieser Ansatz steht im Einklang mit dem auf Werterhalt ausgerichteten Denken vieler Schweizer Anleger.

Falls ein Anleger eine Dividendenstrategie als Kernanlage halten möchte, muss er eine gesunde Mischung aus absoluter Dividendenrendite, nachhaltigem Dividendenwachstum und Widerstandsfähigkeit des Unternehmens finden.

– Matthias Geissbühler, Anlagechef Raiffeisen Schweiz

Diese Mischung ist der Schlüssel, um die Wette gegen den Tod zu gewinnen, indem man eine Strategie wählt, die nicht auf einer begrenzten Lebensdauer, sondern auf unbegrenzter Nachhaltigkeit basiert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualität vor Rendite: Langfristig stabile und wachsende Dividenden von gesunden Unternehmen sind sicherer als die Jagd nach kurzfristig hohen, aber riskanten Renditen.
  • Steuern sind Teil der Strategie: Die aktive Rückforderung der 35% Verrechnungssteuer und die Nutzung des Kapitaleinlageprinzips sind entscheidende Hebel zur Maximierung der Nettorendite.
  • Gesundheit messen: Die Nachhaltigkeit einer Dividende wird nicht an der Rendite, sondern an einer moderaten Ausschüttungsquote (ideal unter 75%) aus dem freien Cashflow gemessen.

Wie strukturieren Sie Ihr Vermögen ab 500’000 CHF für maximalen Werterhalt?

Ein Dividendendepot ist selten eine isolierte Anlage, sondern Teil einer umfassenderen Vermögensstruktur. Insbesondere bei grösseren Vermögen ab 500’000 CHF rückt der maximale Werterhalt in den Vordergrund. Eine reine Aktienstrategie, selbst wenn sie auf Qualitätsdividenden fokussiert ist, birgt Klumpenrisiken. Eine intelligente Diversifikation über verschiedene Anlageklassen ist daher unerlässlich, um das Vermögen gegen Marktschwankungen und unvorhergesehene Krisen abzusichern.

Ein ausgewogenes Portfolio für den Werterhalt im Schweizer Kontext könnte eine Kernallokation in Schweizer Dividendenaktien beinhalten, ergänzt durch andere stabile Anlageklassen. Ein solches Musterportfolio könnte beispielsweise wie folgt aussehen:

  • 40% Schweizer Dividendenaktien: Eine Mischung aus defensiven SMI-Riesen (wie Nestlé, Roche, Novartis für globale Diversifikation) und Qualitätswerten aus dem SMIM.
  • 20% Schweizer Immobilienfonds: Bieten stabile, inflationsgeschützte Erträge und eine geringe Korrelation zum Aktienmarkt.
  • 20% erstklassige Schweizer Unternehmensanleihen: Sorgen für Stabilität und berechenbare Zinserträge bei geringem Risiko.
  • 10% physisches Gold: Als ultimative Krisenwährung und Schutz vor Inflation, idealerweise in der Schweiz gelagert.
  • 10% Cash/Geldmarkt: Dient als Liquiditätsreserve für Chancen oder unvorhergesehene Ausgaben.

Diese Struktur schafft ein robustes Fundament. Die Dividendenaktien fungieren als Renditemotor, während Immobilien, Anleihen und Gold als Stabilisatoren wirken. Langfristig bieten Schweizer Unternehmen eine konstante jährliche Dividendenrendite von etwa 3,2%, was einen soliden Basisertrag für das Gesamtportfolio darstellt. Die Kunst des Vermögensmanagements besteht darin, diese verschiedenen Bausteine so zu kombinieren, dass sie den individuellen Zielen des Anlegers – sei es maximaler Cashflow, Werterhalt oder eine Mischung aus beidem – optimal dienen.

Letztlich geht es darum, ein Portfolio zu schaffen, das nicht nur Rendite generiert, sondern auch nachts für einen ruhigen Schlaf sorgt. Die Dividendenstrategie ist dabei ein zentraler, aber nicht der einzige Baustein.

Der Aufbau eines steuereffizienten und nachhaltigen Dividendeneinkommens ist ein erreichbares Ziel, das jedoch Disziplin, Geduld und eine klare Strategie erfordert. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Portfolio nach den Prinzipien der Qualität, der steuerlichen Effizienz und der Risikokontrolle auszurichten, um eine solide finanzielle Zukunft aufzubauen.

Fragen und Antworten zu Dividenden in der Schweiz

Warum sind Kapitalgewinne in der Schweiz steuerfrei?

Für Privatanleger sind Kapitalgewinne aus Aktienverkäufen in der Schweiz steuerfrei, während Dividenden der Einkommenssteuer unterliegen. Dies gilt, solange die Anlagetätigkeit nicht als gewerbsmässiger Wertschriftenhandel eingestuft wird. Diese Regelung macht eine „Buy and Hold“-Strategie steuerlich besonders attraktiv.

Was ist das Kapitaleinlageprinzip?

Dividenden, die aus Reserven aus Kapitaleinlagen stammen (also Geld, das Aktionäre in das Unternehmen eingezahlt haben), sind für Privatpersonen mit Wohnsitz in der Schweiz steuerfrei. Unternehmen wie Swisscom oder Givaudan nutzen dies regelmässig, um ihren Aktionären eine steueroptimierte Ausschüttung zu ermöglichen.

Lohnt sich eine Vermögensverwaltungs-GmbH?

Für grössere Vermögen kann eine GmbH sinnvoll sein. Dividenden sind auf GmbH-Stufe dank des Beteiligungsabzugs fast steuerfrei, was einen steuergeschützten Zinseszinseffekt ermöglicht. Erst bei der Ausschüttung von der GmbH an die Privatperson fällt eine Steuer an. Dies ist ideal für den sehr langfristigen Vermögensaufbau, nicht aber für den kurzfristigen Cashflow-Bedarf.

Geschrieben von Matthias Studer, Eidgenössisch diplomierter Vermögensverwalter und Finanzplaner mit über 20 Jahren Erfahrung im Schweizer Private Banking. Spezialisiert auf Altersvorsorge, Säule 3a-Optimierung und steuereffiziente Anlagestrategien für Privatanleger.