Navigation zu Ladestationen für Elektroautos in den Schweizer Alpen
Veröffentlicht am März 12, 2024

Zusammenfassend:

  • Die grösste Hürde ist nicht die Verfügbarkeit von Stationen, sondern die enormen Roaming-Kosten, die sich mit den richtigen Apps und Karten vermeiden lassen.
  • Die Ladeleistung im Winter hängt direkt von der Batterietemperatur ab; eine gezielte Vorkonditionierung ist entscheidend für schnelles Laden.
  • Das Schweizer Stromnetz ist dank intelligentem Lastmanagement und dezentraler Speicherung robust genug, um einen Blackout durch E-Autos zu verhindern.
  • Das Recht auf eine Ladestation in Mietgaragen wird in der Schweiz zunehmend gestärkt und wertet die Immobilie auf.

Die Vorstellung ist für jeden Besitzer eines Elektrofahrzeugs ein Albtraum: Man fährt eine verschneite Passstrasse in den Schweizer Alpen hinauf, die Reichweitenanzeige sinkt schneller als die Aussentemperatur und die nächste als „funktionierend“ markierte Ladestation entpuppt sich als defekt oder unzugänglich. Diese „Reichweitenangst“ ist oft das grösste Hindernis für die Elektromobilität in anspruchsvollem Gelände. Viele Ratgeber empfehlen, die Route im Voraus zu planen oder mehrere Lade-Apps herunterzuladen. Doch diese oberflächlichen Tipps kratzen nur an der Oberfläche eines komplexeren Themas.

Die wahre Herausforderung liegt nicht nur in der Planung, sondern im Verständnis der dahinterliegenden Systeme. Es geht um die Physik der Batterieladung bei Minusgraden, die wirtschaftlichen Fallstricke des Roamings zwischen verschiedenen Ladenetzen und die technischen Realitäten des Schweizer Stromnetzes. Was wäre, wenn die Überwindung der Reichweitenangst keine Frage der Hoffnung, sondern eine Frage der strategischen Kompetenz wäre? Wenn man die Angst nicht nur managt, sondern sie durch tiefes Wissen und gezielte Handlungen eliminiert?

Dieser Artikel verfolgt genau diesen Ansatz. Wir behandeln das Laden in den Alpen nicht als Problem, sondern als eine Disziplin, die man erlernen kann. Statt Ihnen nur zu sagen, *was* Sie tun sollen, erklären wir Ihnen, *warum* es funktioniert. Wir tauchen ein in die Preisstrukturen der Ladeanbieter, die rechtlichen Möglichkeiten zur Installation einer eigenen Wallbox und die technologischen Innovationen, die die Zukunft der Elektromobilität in der Schweiz prägen. So verwandeln Sie Unsicherheit in souveräne Kontrolle – bei jeder Fahrt, bei jedem Wetter.

Um Ihnen eine klare und strukturierte Übersicht zu geben, behandelt dieser Leitfaden die entscheidenden Aspekte der Elektromobilität in der Schweiz. Das folgende Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die wichtigsten Themen, von praktischen Bezahllösungen bis hin zu zukünftigen Mobilitätskonzepten.

Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur E-Mobilität in den Schweizer Alpen

Karte, App oder QR-Code: Wie bezahlen Sie ohne Roaming-Gebühren-Schock?

Das grösste finanzielle Risiko beim Laden in den Alpen lauert nicht im Strompreis selbst, sondern im Roaming. Wenn Ihre Ladekarte oder App nicht direkt mit dem Betreiber der Säule abrechnet, können die Kosten explodieren. Eine aktuelle Marktanalyse zeigt drastische Preisunterschiede von bis zu 197% zwischen verschiedenen Anbietern für denselben Ladevorgang. Das Navigieren durch diesen Tarifdschungel ist keine Nebensache, sondern eine Kernkompetenz für jeden E-Auto-Fahrer in der Schweiz – ein strategischer Kosten-Arbitrage.

Die Lösung liegt in einem Multi-App-Ansatz. Anstatt sich auf einen einzigen Anbieter zu verlassen, sollten Sie die Apps der grossen Netzwerke wie TCS eCharge, Swisscharge und EnBW mobility+ installiert haben. Vor jedem Ladevorgang ist ein kurzer Preis-Check in der jeweiligen App unerlässlich. Oftmals ist die Bezahlung via QR-Code und Kreditkarte direkt an der Säule günstiger als über einen Roaming-Partner. Filterfunktionen in Apps wie Swisscharge, die es erlauben, nur Stationen „ohne Roaming“ anzuzeigen, sind dabei Gold wert. Es geht darum, die Kontrolle zurückzugewinnen und proaktiv den günstigsten Preis zu wählen, anstatt passiv die Rechnung des Hausanbieters zu akzeptieren.

Die folgende Tabelle gibt einen vereinfachten Überblick über die Tarifstrukturen einiger wichtiger Anbieter in der Schweiz. Sie verdeutlicht, warum ein Vergleich vor Ort entscheidend ist.

Vergleich der wichtigsten Schweizer Ladekartenanbieter
Anbieter AC-Tarif (CHF/kWh) DC-Tarif (CHF/kWh) Roaming Grundgebühr
TCS eCharge ab 0.29 ab 0.49 Mit Aufpreis Keine
Swisscharge ab 0.29 ab 0.49 Mit Aufpreis Keine
EnBW mobility+ 0.42 EUR 0.55 EUR Inkludiert Je nach Tarif

Die Kunst besteht darin, sich nicht von der Komplexität abschrecken zu lassen, sondern sie als Chance zu begreifen. Mit der richtigen Strategie zahlen Sie immer den optimalen Preis und machen das Laden so planbar wie das Tanken eines Verbrenners.

Wie überzeugen Sie Ihren Vermieter, eine Ladestation in der Tiefgarage zu erlauben?

Die bequemste und günstigste Ladung findet über Nacht in der eigenen Garage statt. Für Mieter in Mehrfamilienhäusern ist dies jedoch oft eine Hürde. Die Argumente der Vermieter sind meist dieselben: Angst vor hohen Installationskosten, Überlastung des Hausnetzes und komplizierter Abrechnung. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, diese Bedenken nicht nur zu entkräften, sondern sie in Vorteile für den Vermieter umzuwandeln. Es geht nicht darum zu bitten, sondern ein wertsteigerndes Modernisierungsprojekt vorzuschlagen.

Die rechtliche Situation in der Schweiz entwickelt sich zunehmend zugunsten der Mieter, Stichwort „Recht auf den Stecker“. Zudem wird die Installation von Ladeinfrastruktur als klare Wertsteigerung für die Immobilie anerkannt. Schweizer Firmen wie Juice Technology oder Zaptec bieten zertifizierte, intelligente Ladelösungen (Wallboxen) mit integriertem Lastmanagement an. Diese Systeme verhindern eine Netzüberlastung, indem sie die verfügbare Leistung dynamisch auf alle ladenden Fahrzeuge verteilen. Zudem ermöglichen sie eine kilowattstundengenaue, separate Abrechnung pro Mieter, was das Argument der Kostenverteilung entkräftet.

Ein entscheidender Hebel sind finanzielle Anreize. Kantonale Förderprogramme unterstützen die Installation mit Beträgen von bis zu 1’500 CHF pro Ladepunkt. Indem Sie Ihrem Vermieter ein Gesamtpaket präsentieren – bestehend aus rechtlicher Grundlage, technischer Lösung, fairer Abrechnung und staatlicher Förderung – wandelt sich Ihre Anfrage von einem „Problem“ zu einer „Investition in die Zukunft“. Bieten Sie an, die Organisation mit Fachfirmen zu übernehmen, um den Aufwand für die Verwaltung so gering wie möglich zu halten.

Fallbeispiel: Intelligentes Lastmanagement in der Praxis

Energieversorger wie die CKW (Centralschweizerische Kraftwerke) bieten Komplettlösungen für Mehrfamilienhäuser an. Diese umfassen nicht nur die Installation der Wallboxen, sondern auch ein dynamisches Lastmanagement, das eine Überlastung des Hausanschlusses verhindert. Die Systeme von Schweizer Spezialisten wie Juice Technology oder Zaptec sind speziell für die einfache Integration in bestehende Tiefgaragen konzipiert und gewährleisten eine faire, verbrauchsabhängige Abrechnung für jeden Mieter. Dies zeigt, dass die technischen Herausforderungen bereits gelöst sind.

Letztendlich ist eine E-Ladestation keine Last, sondern ein Wettbewerbsvorteil auf dem Immobilienmarkt, der die Attraktivität der Liegenschaft für zukünftige, umweltbewusste Mieter signifikant erhöht.

Warum lädt Ihr Auto bei Minusgraden langsamer und wie heizen Sie den Akku vor?

Jeder E-Auto-Fahrer kennt das Phänomen: Im Winter scheint die Batterie nicht nur schneller leer zu werden, auch das Aufladen an einer Schnellladesäule dauert quälend lang. Der Grund dafür ist keine Fehlfunktion, sondern pure Physik. Die Lithium-Ionen in der Batterie bewegen sich bei Kälte langsamer, der chemische Prozess der Ladung wird träge. Man spricht von einer hohen thermischen Trägheit des Akkus. Die Ladeelektronik reduziert die Leistung, um die kalten Zellen nicht zu beschädigen. Anstatt mit 150 kW oder mehr zu laden, fliessen vielleicht nur 40 kW in den Akku.

Vorkonditionierung der Batterie eines Elektroautos in winterlichen Alpenbedingungen

Die Lösung ist ebenso einfach wie genial: die Batterie-Vorkonditionierung. Moderne Elektroautos verfügen über eine Funktion, um den Akku vor dem Erreichen einer Schnellladesäule auf seine optimale Betriebstemperatur (meist zwischen 20 und 30 °C) zu bringen. Wie die obige Abbildung der Eiskristalle auf einem Ladekabel andeutet, ist der Temperaturunterschied der entscheidende Faktor. Durch das aktive Vorheizen stellt das Fahrzeug sicher, dass die Batterie die volle Ladeleistung sofort aufnehmen kann. Der TCS bestätigt die Wichtigkeit der Batterievorkonditionierung und gibt an, dass bei optimaler Temperatur eine Reichweite von 300-400 km in nur 20-60 Minuten geladen werden kann.

Die Aktivierung dieser Funktion ist meist simpel. Hier sind die wichtigsten Schritte, um die Ladezeit im Winter drastisch zu verkürzen:

  • Navigation zur Ladesäule: Geben Sie die anvisierte Schnellladestation etwa 30 Minuten vor Ankunft als Ziel im Navigationssystem des Fahrzeugs ein. Das Auto startet die Vorkonditionierung dann automatisch.
  • Manuelle Aktivierung: Bei einigen Modellen kann das Vorheizen auch manuell über die Fahrzeug-App oder das Infotainment-System gestartet werden, idealerweise während das Auto noch zu Hause an der Wallbox hängt.
  • Rekuperation nutzen: Lange Passabfahrten sind ideal. Die Energie-Rückgewinnung (Rekuperation) beim Bremsen erwärmt die Batterie auf natürliche Weise.
  • Laden nach der Fahrt: Laden Sie den Akku direkt nach einer längeren Fahrt, wenn er noch warm ist, anstatt das kalte Auto am nächsten Morgen laden zu wollen.

Die Vorkonditionierung ist somit nicht nur ein Komfort-Feature, sondern ein wesentliches Werkzeug zur Maximierung der Effizienz und zur Minimierung der Reisezeit in der kalten Jahreszeit.

Wo fehlen in der Schweiz noch Schnelllader entlang der Autobahn?

Die Sorge, auf einer langen Fahrt durch die Schweiz keinen passenden Schnelllader (DC-Lader) zu finden, ist eine der hartnäckigsten Ängste von E-Auto-Neulingen. Doch die Realität hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die Schweiz verfügt heute über eines der dichtesten Ladenetze Europas. Die Frage ist also weniger, *ob* man einen Lader findet, sondern *welchen* man strategisch ansteuern sollte. Die weissen Flecken auf der Ladekarte verschwinden zusehends, insbesondere entlang der Hauptverkehrsachsen.

Laut dem Monitoring des Bundesamts für Energie ist die Infrastruktur bereits sehr gut ausgebaut. Das TCS-Monitoring zeigt den aktuellen Ausbaustand mit beeindruckenden Zahlen: Es gibt bereits über 2’521 öffentliche DC-Ladepunkte mit Ladeleistungen zwischen 50 und 350 kW. Diese befinden sich grösstenteils an Autobahnraststätten, in der Nähe von Autobahnausfahrten und in städtischen Agglomerationen. Die Abdeckung entlang der A1 (Genf-St. Gallen) oder der A2 (Basel-Chiasso) ist praktisch lückenlos.

Kleinere Lücken bestehen noch in abgelegeneren Alpentälern oder auf weniger frequentierten Kantonsstrassen. Doch selbst hier schliesst sich das Netz rasant. Ein entscheidender Faktor für diese positive Entwicklung ist die Öffnung der proprietären Ladenetze, wie das von Tesla, für alle Marken. Dies hat die Verfügbarkeit von Hochleistungsladern (HPC) mit über 150 kW Leistung auf einen Schlag massiv erhöht.

Fallbeispiel: Öffnung des Tesla Supercharger-Netzwerks

Ein Meilenstein für die Ladeinfrastruktur in der Schweiz ist die schrittweise Öffnung der Tesla Supercharger für Fremdmarken. Von den rund 30 Supercharger-Standorten in der Schweiz sind bereits 25 für alle gängigen Elektroauto-Modelle mit CCS-Anschluss freigegeben. Diese Stationen bieten Ladeleistungen von bis zu 250 kW und sind strategisch optimal entlang der grossen Transitrouten platziert. Dies erweitert das verfügbare Schnellladenetz erheblich und entschärft die Situation gerade für Reisende auf der Durchreise.

Die moderne Ladeplanung fokussiert sich daher auf die Auswahl des optimalen Ladestopps basierend auf Preis, Geschwindigkeit und aktueller Verfügbarkeit, anstatt auf die reine Existenz einer Lademöglichkeit.

Das Märchen vom Blackout: Hält das Schweizer Stromnetz stand, wenn alle um 18 Uhr laden?

Die Vorstellung, dass das Stromnetz zusammenbricht, wenn Millionen von E-Autos gleichzeitig um 18 Uhr nach der Arbeit an die Steckdose gehen, ist ein weit verbreiteter Mythos. In der Realität ist das Schweizer Stromnetz weitaus intelligenter und robuster, als es dieses Schreckensszenario suggeriert. Ein landesweiter Blackout, ausgelöst durch Elektromobilität, ist höchst unwahrscheinlich. Der Grund liegt in einer Kombination aus technologischer Netz-Intelligenz und physikalischen Gegebenheiten.

Erstens laden nicht alle gleichzeitig mit voller Leistung. Intelligente Lastmanagementsysteme, die heute in fast allen neuen Installationen in Tiefgaragen und bei grossen Lade-Hubs Standard sind, verteilen die verfügbare elektrische Leistung dynamisch. Wenn viele Autos gleichzeitig laden, wird die Ladeleistung pro Fahrzeug automatisch reduziert. Da ein Auto durchschnittlich 23 Stunden pro Tag steht, ist es unerheblich, ob es in drei oder acht Stunden vollgeladen ist. Zweitens fördern Energieversorger zunehmend dynamische Stromtarife, die das Laden in die Nachtstunden mit geringerer Netzauslastung und günstigeren Preisen verlagern.

Drittens verfügt die Schweiz über eine einzigartige Ressource zur Netzstabilisierung: ihre Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen. Diese gigantischen „Wasserbatterien“ können überschüssigen Strom (z.B. aus Solarproduktion am Mittag) aufnehmen und bei Bedarfsspitzen (am Abend) sekundenschnell wieder ins Netz einspeisen. Sie dienen als perfekter Puffer für die schwankende Nachfrage. Zukünftige Technologien wie Vehicle-to-Grid (V2G), bei denen E-Autos selbst als dezentrale Speicher dienen und bei Bedarf Strom zurück ins Netz speisen können, werden diese Stabilität weiter erhöhen. Anstatt ein Problem zu sein, wird die E-Mobilität so zu einem Teil der Lösung für ein stabiles, erneuerbares Energiesystem.

Die Angst vor dem Blackout ist daher unbegründet. Sie weicht der Faszination für ein komplexes, aber beherrschbares System, in dem die Elektromobilität eine konstruktive Rolle spielt.

Wann ermöglichen neue Schweizer Chips eine Akkulaufzeit von Wochen statt Tagen?

Die Vision von Elektroautos, deren Akkus nicht mehr täglich oder wöchentlich, sondern nur noch monatlich geladen werden müssen, klingt nach Science-Fiction. Doch die Grundlagen für diese Revolution werden heute in den Forschungslabors der Schweiz gelegt. Die Schweizer Halbleiterindustrie, historisch geprägt von der Präzision der Uhrmacherkunst, ist führend in der Entwicklung von Ultra-Low-Power-Chips. Diese Mikroprozessoren sind darauf spezialisiert, mit einem Minimum an Energie maximale Rechenleistung zu erbringen.

Innovative Schweizer Halbleitertechnologie für Batteriemanagementsysteme

Der Schlüssel zu einer längeren Akkulaufzeit liegt nicht allein in der Grösse der Batterie, sondern in der Effizienz des gesamten Systems. Jeder Verbraucher im Auto – vom Infotainment-System über die Sensoren für das autonome Fahren bis hin zum Batteriemanagementsystem (BMS) selbst – benötigt Energie. Die neuen Generationen von Schweizer Chips reduzieren den „parasitären“ Energieverbrauch dieser Systeme drastisch. Ein hocheffizientes BMS kann beispielsweise den Zustand jeder einzelnen Batteriezelle präziser überwachen und steuern, was nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch die nutzbare Kapazität und die Lebensdauer des Akkus maximiert.

Während die chemische Entwicklung neuer Batterietypen (wie Feststoffbatterien) noch Jahre entfernt ist, sind die Fortschritte in der Halbleitertechnologie unmittelbar spürbar. Sie tragen schon heute dazu bei, die Ladezeiten zu verkürzen. Wie EnergieSchweiz dokumentiert, ermöglichen aktuelle Ladetechnologien bereits, eine Batteriekapazität für hunderte Kilometer in unter einer Stunde zu laden. Die Kombination aus schnellerem Laden und einem fundamental geringeren Grundverbrauch wird die Reichweitenangst in den kommenden Jahren endgültig der Vergangenheit angehören lassen. Die Schweizer Präzision, die einst die Welt der mechanischen Uhren dominierte, definiert nun die Zukunft der elektrischen Mobilität.

Die Akkulaufzeit von Wochen ist also kein ferner Traum mehr, sondern das logische nächste Ziel auf einer klar vorgezeichneten technologischen Roadmap, die massgeblich in der Schweiz mitgestaltet wird.

Wie funktioniert der Markt für „Pre-Owned“ Luxusgüter in der Schweiz?

Der Markt für gebrauchte Elektroautos, insbesondere im Premium- und Luxussegment, entwickelt sich in der Schweiz rasant. Lange Zeit von Wertverlustängsten geprägt, etabliert sich nun ein stabiler „Pre-Owned“-Markt. Für Käufer bietet dies die Chance, hochwertige E-Fahrzeuge zu einem deutlich attraktiveren Preis zu erwerben. Der Einstieg in die Elektromobilität wird dadurch zugänglicher, denn während neue Elektroautos oft erst ab CHF 20’000 erhältlich sind, öffnet der Gebrauchtmarkt Türen zu besser ausgestatteten Modellen.

Der entscheidende Faktor beim Kauf eines gebrauchten E-Autos ist jedoch nicht die Kilometerleistung, sondern die Batteriegesundheit (State of Health, SOH). Diese Kennzahl gibt in Prozent an, wie viel der ursprünglichen Kapazität die Batterie noch speichern kann. Ein seriöser Verkäufer, insbesondere ein offizieller Markenhändler, sollte in der Lage sein, einen detaillierten Batteriezustandsbericht vorzulegen. Dieser Bericht ist weitaus aussagekräftiger als das Alter oder die Laufleistung des Fahrzeugs.

Des Weiteren spielt die Ladehistorie eine wichtige Rolle. Ein Akku, der überwiegend schonend an einer AC-Wallbox geladen wurde, ist in der Regel in einem besseren Zustand als einer, der fast ausschliesslich an DC-Schnellladern „gestresst“ wurde. Käufer sollten auch die verbleibende Garantie auf die Batterie prüfen, die bei den meisten Herstellern 8 Jahre oder 160’000 km beträgt. Der Kauf bei einem offiziellen Händler bietet hier oft zusätzliche Sicherheit durch zertifizierte Gebrauchtwagenprogramme und erweiterte Garantien.

Checkliste: Ihr Leitfaden für den Kauf eines gebrauchten Luxus-E-Autos

  1. Batteriezustandsbericht (SOH): Fordern Sie vom Händler einen offiziellen Bericht über die verbleibende Batteriekapazität (SOH) an. Ein Wert über 90% ist bei jüngeren Fahrzeugen ein gutes Zeichen.
  2. Ladehistorie prüfen: Erkundigen Sie sich nach dem Verhältnis von AC- zu DC-Ladungen. Eine hohe Anzahl an Schnellladezyklen kann die Batterie stärker beansprucht haben.
  3. Garantiebedingungen vergleichen: Prüfen Sie die Restlaufzeit der Herstellergarantie auf die Batterie. Offizielle Händler bieten oft zusätzliche zertifizierte Garantien an.
  4. Import-Regularien beachten: Beim Kauf eines importierten Fahrzeugs müssen eventuelle CO2-Abgaben und die Konformität mit Schweizer Vorschriften (z.B. Ladeanschluss) geklärt sein.
  5. Wertverlust analysieren: Vergleichen Sie den Wertverlust des E-Modells mit ähnlichen Verbrenner-Pendants. Oftmals ist der Wertverlust bei E-Autos mittlerweile geringer.

Ein „Pre-Owned“ Elektroauto aus dem Luxussegment kann so zu einer smarten und nachhaltigen Investition werden, die den Einstieg in die Premium-Elektromobilität ermöglicht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kostenkontrolle ist entscheidend: Die grösste finanzielle Falle beim Laden ist das Roaming. Eine Multi-App-Strategie und die direkte Bezahlung per QR-Code sind essenziell, um Schockrechnungen zu vermeiden.
  • Physik schlägt Planung: Die Ladeleistung im Winter wird durch die Batterietemperatur bestimmt. Die gezielte Vorkonditionierung vor dem Schnellladen ist der wichtigste Hebel, um Zeit zu sparen.
  • Das Netz ist intelligenter als die Angst: Das Schweizer Stromnetz ist dank Lastmanagement, Pumpspeicherkraftwerken und zukünftiger V2G-Technologie robust genug, um die steigende Zahl an E-Autos ohne Blackout-Gefahr zu bewältigen.

Wie werden wir uns 2030 in Zürich und Genf ohne eigenes Auto bewegen?

Die Zukunft der urbanen Mobilität in Schweizer Metropolen wie Zürich und Genf liegt nicht im Besitz eines einzigen Fahrzeugs, sondern im nahtlosen Zugriff auf ein integriertes Ökosystem von Mobilitätsdienstleistungen. Bis 2030 wird der private Autobesitz, wie wir ihn kennen, für viele Stadtbewohner an Bedeutung verlieren. Er wird ersetzt durch eine intelligente Kombination aus öffentlichem Verkehr, E-Bikes, E-Scootern und einem dichten Netz an E-Carsharing-Fahrzeugen.

Die Grundlage für diese Transformation ist bereits gelegt. Mit über 14’200 allgemein zugänglichen Ladestationen in der Schweiz ist die notwendige Infrastruktur für eine elektrifizierte Sharing-Flotte weitgehend vorhanden. Der nächste Schritt ist die vollständige Integration dieser Dienste. Zukünftige Mobilitäts-Apps werden nicht nur den schnellsten oder günstigsten Weg von A nach B zeigen, sondern eine multimodale Reisekette in Echtzeit buchen und abrechnen: mit dem E-Scooter zum Bahnhof, mit dem Zug in die Nachbarstadt und mit dem E-Carsharing-Auto vom Zielbahnhof bis zur Haustür.

Konsortien und Partnerschaften treiben diese Entwicklung bereits heute voran. Sie schaffen die technologischen und tariflichen Voraussetzungen für eine reibungslose Nutzererfahrung, bei der ein einziges Abonnement oder eine einzige App den Zugang zu allen Verkehrsmitteln ermöglicht.

Fallbeispiel: Integrierte Ladenetze als Basis für die Zukunft

Die Schweizer E-Mobilitätsgruppe, bestehend aus führenden Unternehmen wie Energie 360°, Swisscharge, Gofast und Move, betreibt bereits heute das grösste private und öffentliche Ladenetz der Schweiz mit über 15’000 Ladepunkten. Ein entscheidender Schritt ist die Integration dieser Ladeinfrastruktur in die Abonnements des öffentlichen Verkehrs, wie dem ZVV in Zürich oder Unireso in Genf. Dies schafft nahtlose Mobilitätsketten und macht die Nutzung von E-Carsharing als Ergänzung zu Bus und Bahn so einfach wie nie zuvor.

Diese Vision einer integrierten urbanen Mobilität ist keine ferne Utopie. Sie ist die logische Konsequenz der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die wir heute beobachten. Um diese Zukunft zu gestalten, müssen wir die Bausteine des zukünftigen Mobilitäts-Ökosystems verstehen.

Für den urbanen Raum bedeutet dies eine Abkehr vom „Besitz“ hin zur „Nutzung“ – für mehr Flexibilität, weniger Stau und eine höhere Lebensqualität. Beginnen Sie noch heute, diese neuen Mobilitätsformen zu entdecken und gestalten Sie aktiv die Art und Weise mit, wie wir uns morgen fortbewegen.

Geschrieben von Lukas Imhof, Dr. sc. techn. ETH und Innovationsberater für industrielle Digitalisierung und Robotik. Spezialist für Smart Factory Lösungen, IoT und Drohnentechnologie in der Schweizer Präzisionsindustrie.