Digitale Transformation eines Schweizer Unternehmens ohne Betriebsunterbrechung
Veröffentlicht am März 15, 2024

Entgegen der verbreiteten Annahme muss die digitale Transformation kein unkontrollierbarer Flächenbrand sein; für Schweizer Unternehmen ist sie vielmehr eine präzise chirurgische Operation.

  • Der Fokus liegt auf der risikominimierten, schrittweisen Modernisierung einzelner Prozesse statt eines „Big Bang“-Austauschs.
  • Mitarbeiterakzeptanz wird nicht erzwungen, sondern durch eine auf Konsens und klarem Mehrwert basierende Kommunikation systematisch aufgebaut.

Empfehlung: Beginnen Sie nicht mit der Technologie, sondern mit der strategischen Priorisierung jener Prozesse, deren Digitalisierung den schnellsten und grössten Nutzen verspricht (Wertstrom-Priorisierung).

Die digitale Transformation ist für viele Schweizer Führungskräfte ein Schreckgespenst. Man liest von Disruption und radikalen Umbrüchen, doch im Kopfkino laufen Bilder von chaotischen Projekten, überforderten Mitarbeitern und – schlimmer noch – einem Betriebsunterbruch. Die Angst, das laufende Geschäft zu gefährden, führt oft zu einer gefährlichen Lähmung. Während man zögert, veralten die etablierten Legacy-Systeme weiter und die technische Schuld wächst. Viele Lösungsansätze preisen agiles Vorgehen oder die neuste Technologie an, übersehen aber die tief verwurzelte Schweizer Unternehmenskultur, die auf Stabilität, Präzision und Konsens beruht.

Doch was, wenn der Schlüssel nicht in einem radikalen Bruch, sondern in einem methodisch kontrollierten Vorgehen liegt? Was, wenn man die digitale Transformation nicht als Abriss und Neubau, sondern als eine Operation am offenen Herzen des Unternehmens versteht – präzise, geplant und ohne den Patienten zu gefährden? Dieser Ansatz der chirurgischen Entkopplung fokussiert darauf, einzelne Prozesse gezielt zu modernisieren und in eine neue Systemlandschaft zu überführen, während das Gesamtsystem stabil weiterläuft. Es geht darum, eine bimodale Realität zu managen, in der alte und neue Welten für eine Übergangszeit koexistieren müssen.

Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie diesen Weg für Ihr Schweizer KMU gestalten. Wir beleuchten, wie Sie die rechtlichen Hürden bei Datensicherheit und Buchführung meistern, die richtige technologische Strategie wählen und vor allem, wie Sie den entscheidenden Faktor Mensch durch eine konsens-gesteuerte Einführung zum Erfolgsmotor machen. Anstatt vor dem grossen Ganzen zu kapitulieren, lernen Sie, die Transformation in verdaubare, wertschöpfende Schritte zu zerlegen.

Dieser Artikel führt Sie strukturiert durch die entscheidenden Handlungsfelder einer risikominimierten digitalen Transformation in der Schweiz. Das Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir präzise und praxisnah beleuchten werden.

Warum ist die „Swiss Cloud“ für Anwälte und Banken die sicherere Alternative zu US-Anbietern?

Die Frage der Cloud-Strategie ist für Schweizer Unternehmen nicht nur eine technische, sondern vor allem eine juristische und strategische Grundsatzentscheidung. Insbesondere für Branchen mit hohen Vertraulichkeitsanforderungen wie Anwaltskanzleien und Finanzinstitute ist die Datensouveränität ein unantastbares Gut. Die Nutzung von Cloud-Diensten grosser US-Anbieter birgt hier ein fundamentales Risiko: den US CLOUD Act. Dieses Gesetz verpflichtet amerikanische Technologieunternehmen, US-Behörden Zugriff auf gespeicherte Daten zu gewähren – selbst wenn diese Daten auf Servern in der Schweiz liegen. Dies steht in direktem Konflikt mit dem Schweizer Bankgeheimnis (Art. 47 BankG) und dem Berufsgeheimnis von Anwälten (Art. 321 StGB).

Eine Schweizer Cloud-Lösung, betrieben von einem rein schweizerischen Anbieter ohne US-Muttergesellschaft, unterliegt ausschliesslich dem Schweizer Recht. Dies eliminiert das Risiko eines legalen Zugriffs durch ausländische Behörden und stellt sicher, dass sensible Kundendaten unter dem Schutzschild der Schweizer Gerichtsbarkeit verbleiben. Die Schweizer Bankiervereinigung hat dieses Problem früh erkannt und in Zusammenarbeit mit über 150 Teilnehmern aus Banken, Behörden und Technologieunternehmen klare Richtlinien erarbeitet. Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Ein Cloud-Provider wird zum „Beauftragten“ der Bank und muss sich vertraglich dem Schweizer Strafrecht unterwerfen, um die Compliance zu gewährleisten.

Die Wahl einer „Swiss Cloud“ ist somit kein patriotischer Akt, sondern eine strategische Notwendigkeit zur Risikominimierung und zur Wahrung der rechtlichen Integrität. Es ist das Fundament, auf dem eine vertrauenswürdige digitale Transformation aufgebaut werden kann.

Aktionsplan: Cloud-Compliance für Schweizer Finanzinstitute und Kanzleien sicherstellen

  1. Vertragliche Unterwerfung: Stellen Sie sicher, dass Ihr Cloud-Provider sich vertraglich dem Schweizer Recht unterwirft und die Einhaltung von Art. 47 BankG / Art. 321 StGB garantiert.
  2. Datenstandort Schweiz: Vereinbaren Sie explizit, dass alle Daten ausschliesslich in Rechenzentren in der Schweiz gespeichert und verarbeitet werden.
  3. Audit-Rechte: Garantieren Sie vertraglich umfassende Audit- und Inspektionsrechte für Ihr Unternehmen, Ihre Prüfgesellschaft sowie die FINMA.
  4. Sicherheitsmassnahmen: Definieren Sie klare technische und organisatorische Sicherheitsanforderungen (z.B. Verschlüsselung, Zugriffskontrollen) im Vertrag.
  5. Exit-Strategie: Etablieren Sie einen detaillierten Insourcing-Plan, der eine geordnete Rückführung der Daten und Prozesse im Falle einer Vertragsbeendigung sicherstellt.

Wie stellen Sie Ihre Buchhaltung rechtskonform auf papierlos um, ohne die MWST-Prüfung zu fürchten?

Die Angst vor der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) und einer MWST-Prüfung ist einer der grössten Hemmschuhe bei der Digitalisierung der Buchhaltung. Viele KMU halten an Papierbelegen fest, aus Sorge, digitale Dokumente könnten als nicht beweissicher eingestuft werden. Diese Sorge ist jedoch grösstenteils unbegründet und basiert auf veralteten Vorstellungen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz haben sich signifikant weiterentwickelt, um die papierlose Buchführung zu erleichtern. Ein klares Signal dafür ist, dass der Nationalrat 2022 einstimmig eine Motion zur Vereinfachung der digitalen Buchführung angenommen hat.

Der entscheidende Punkt ist die Einhaltung der Geschäftsbücherverordnung (GeBüV). Diese schreibt nicht die Verwendung eines bestimmten Mediums vor, sondern verlangt den Nachweis der Unveränderbarkeit von Buchungen und Belegen. Moderne Dokumentenmanagementsysteme (DMS) und Buchhaltungsprogramme lösen dies durch technische Protokolle, Zeitstempel und versionierte Ablagen – eine digitale Signatur ist seit 2018 nicht mehr zwingend erforderlich. Der Grundsatz der „Beweismittelfreiheit“ in der Mehrwertsteuerverordnung (MWSTV) stärkt diese Position: Sie können die Ordnungsmässigkeit mit allen geeigneten Mitteln nachweisen.

Das folgende Schaubild illustriert den Übergang von der physischen zur digitalen Welt, der heute rechtssicher gestaltet werden kann.

Digitale Archivierung von Geschäftsbelegen nach Schweizer Recht

Wie die Visualisierung zeigt, geht es darum, die Integrität der Information auf ihrem Weg vom Papier zum digitalen Datensatz zu sichern. Ein sauber aufgesetzter Scan-Prozess, eine revisionssichere Ablage und eine klare Verfahrensdokumentation sind die Schlüssel, um jeder Prüfung gelassen entgegenzusehen. Die Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren gilt dabei für digitale Belege genauso wie für physische.

Um die spezifischen Anforderungen zu verstehen, ist ein Vergleich der relevanten Verordnungen hilfreich. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Anforderungen GeBüV vs. MWSTV für digitale Belege
Aspekt GeBüV MWSTV seit 2018
Digitale Signatur Keine Pflicht (Art. 9) Keine Pflicht mehr
Grundsatz Unveränderbarkeit nachweisen Beweismittelfreiheit
Speichermedien Veränderbare erlaubt mit Verfahren Verweist auf GeBüV
Aufbewahrung 10 Jahre 10 Jahre

SaaS oder Eigenentwicklung: Was passt besser zu komplexen Schweizer KMU-Prozessen?

Wenn die Entscheidung für die Modernisierung eines Prozesses gefallen ist, stellt sich die Gretchenfrage der Technologie: Soll man auf eine standardisierte Software-as-a-Service (SaaS) Lösung aus der Cloud setzen oder in eine massgeschneiderte Eigenentwicklung investieren? Für Schweizer KMU mit oft über Jahrzehnte gewachsenen, hochspezifischen Prozessen gibt es keine pauschale Antwort. Die Entscheidung ist ein strategischer Kompromiss zwischen Kosten, Flexibilität und Zeit.

Eine SaaS-Lösung lockt mit tiefen Initialkosten, sofortiger Verfügbarkeit und planbaren monatlichen Gebühren. Der Nachteil ist jedoch ein potenziell hoher Vendor Lock-in und begrenzte Anpassungsmöglichkeiten. Wenn Ihre Kernprozesse nicht dem Standard der Software entsprechen, müssen Sie Ihre Abläufe an die Software anpassen – nicht umgekehrt. Dies kann zu Effizienzverlusten und Frustration bei den Mitarbeitern führen. Zudem ist die Unterstützung aller Schweizer Landessprachen nicht immer garantiert.

Eine Eigenentwicklung hingegen bietet maximale Flexibilität. Jeder Prozessschritt kann exakt nach den Bedürfnissen des Unternehmens abgebildet werden, was die Akzeptanz erhöht und Wettbewerbsvorteile sichern kann. Dieser Vorteil wird jedoch mit hohen Initialkosten für die Entwicklung, längeren Projektlaufzeiten (6-24 Monate) und der vollen Verantwortung für Wartung und Weiterentwicklung erkauft. Die „Digital Switzerland Strategy“, die der Bundesrat Ende 2023 verabschiedet hat, unterstreicht die Notwendigkeit für KMU, diese technologischen Entscheidungen fundiert zu treffen, um im Wettbewerb zu bestehen.

Die Wahl hängt letztlich vom strategischen Wert des Prozesses ab. Für unterstützende Standardprozesse wie die Finanzbuchhaltung oder das HR-Management ist eine SaaS-Lösung oft die klügere Wahl. Für den einzigartigen Kernprozess, der Ihr Unternehmen vom Wettbewerb abhebt, kann eine Eigenentwicklung die entscheidende Investition in die Zukunft sein.

Total Cost of Ownership: SaaS vs. Eigenentwicklung für Schweizer KMU
Kriterium SaaS-Lösung Eigenentwicklung
Initialkosten Niedrig (Lizenzgebühren) Hoch (Entwicklergehälter)
Schweizer Anpassungen Limitiert auf Anbieter-Features Vollständig anpassbar
Support Landessprachen Je nach Anbieter Garantiert für alle Sprachen
Time-to-Market Sofort einsatzbereit 6-24 Monate Entwicklung
Vendor Lock-in Hoch Kein Lock-in

Der Kommunikationsfehler, der 60% der IT-Projekte am Widerstand der Belegschaft scheitern lässt

Die beste Technologie und die ausgeklügeltste Strategie sind wertlos, wenn die Mitarbeiter die Veränderung nicht mittragen. Der grösste Hebel für den Erfolg oder Misserfolg einer digitalen Transformation ist nicht der Code, sondern die Kultur. Ein weit verbreiteter Fehler ist die reine Top-Down-Kommunikation: Die Führungsetage beschliesst, die IT implementiert und die Belegschaft wird vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Resultat ist vorhersehbar: Angst vor dem Unbekannten, Widerstand gegen das Neue und das Gefühl, übergangen zu werden. Aktiver oder passiver Widerstand der Mitarbeiter ist der häufigste Grund für das Scheitern von IT-Projekten.

Der Schlüssel liegt in einer konsens-gesteuerten Einführung, die an die Schweizer Kultur der Vernehmlassung und des Miteinanders anknüpft. Anstatt die Mitarbeiter nur zu „informieren“, müssen sie frühzeitig zu Beteiligten gemacht werden. Die Kommunikation darf sich nicht in technischen Features verlieren, sondern muss eine klare Antwort auf die einzige Frage geben, die jeden Mitarbeiter interessiert: „Was habe ich davon?“. Zeigen Sie konkret auf, wie das neue Tool mühsame Routineaufgaben eliminiert, die Zusammenarbeit erleichtert oder die Fehlerquote senkt. Wenn der persönliche Nutzen spürbar wird, wandelt sich Skepsis in Neugier.

Wie die Transformations-Berater von Onspire treffend formulieren, geht es um mehr als nur Technik. Ihre Einschätzung unterstreicht die Wichtigkeit der menschlichen Komponente, die oft unterschätzt wird.

Die digitale Transformation ist nicht nur ein technologischer Wandel – sie ist ein kultureller Prozess. Mitarbeitende, die sich als wertvoller Teil des Ganzen fühlen, identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen.

– Onspire Digital Transformation Beratung, Digitale Transformation meistern – Schweiz

Ein entscheidender Hebel sind die Führungskräfte des mittleren Kaders. Sie befinden sich in einer Sandwich-Position und müssen zu Transformations-Botschaftern ausgebildet werden. Sie müssen die Sprache beider Seiten sprechen – die der Strategie und die des täglichen Betriebs. Indem man bewusst auch kritische Stimmen in die Planungsphasen einbezieht, nimmt man dem Widerstand den Wind aus den Segeln und gewinnt wertvolles Feedback zur Verbesserung der Lösung.

Workshop zur digitalen Transformation mit Schweizer Mitarbeitern

Wann akzeptieren Schweizer Kunden einen Chatbot und wann verlangen sie einen Menschen?

Die Automatisierung der Kundenkommunikation durch Chatbots verspricht Effizienz und Kosteneinsparungen. Doch gerade im qualitäts- und servicebewussten Schweizer Markt kann ein schlecht implementierter Bot mehr schaden als nutzen. Die Akzeptanz eines Chatbots hängt massgeblich von zwei Faktoren ab: der Komplexität des Anliegens und dem emotionalen Zustand des Kunden. Die erfolgreiche Implementierung folgt dem Prinzip der bimodalen Realität: Die Kunst besteht darin, zu wissen, wann die Maschine und wann der Mensch die richtige Schnittstelle ist.

Führende Schweizer Unternehmen wie die SBB und Swisscom machen es vor: Sie setzen Chatbots äusserst erfolgreich für klar definierte, repetitive Aufgaben ein. Dazu gehören:

  • Statusabfragen (z.B. „Ist mein Zug pünktlich?“)
  • Einfache Informationsanfragen (z.B. „Wie sind die Öffnungszeiten?“)
  • Standardisierte Prozesse (z.B. Adressänderung)

Bei diesen Anliegen schätzen Kunden die sofortige Verfügbarkeit rund um die Uhr. Der Bot liefert schnell und präzise eine faktenbasierte Antwort. Die Akzeptanz ist hier hoch, weil der Bot ein Problem effizient löst.

Ganz anders sieht es bei komplexen oder emotional aufgeladenen Themen aus. Eine Reklamation, eine Beschwerde über eine fehlerhafte Rechnung oder eine Kündigung erfordern Empathie, Flexibilität und individuelles Eingehen – Fähigkeiten, die eine Maschine nicht besitzt. In diesen Momenten erwarten Schweizer Kunden einen kompetenten menschlichen Ansprechpartner. Der Versuch, solche Anliegen mit einem Bot abzufertigen, führt zu Frustration und kann Kunden nachhaltig vergraulen. Wie eine Analyse von FIREGROUP zu Schweizer Chatbot-Strategien zeigt, ist der entscheidende Erfolgsfaktor ein stets präsenter und leicht auffindbarer „Mit einem Menschen sprechen“-Button. Er gibt dem Kunden die Kontrolle und das Vertrauen, bei Bedarf eine Eskalation einleiten zu können.

Wo beginnen Sie mit der Digitalisierung, um in 6 Monaten 20% Kosten zu sparen?

Die grösste Herausforderung bei der digitalen Transformation ist oft die Frage: „Wo fangen wir an?“. Angesichts komplexer Legacy-Systeme und unzähliger Prozesse wirkt die Aufgabe erdrückend. Der strategische Ansatz der Wertstrom-Priorisierung bietet hier eine klare Antwort: Beginnen Sie dort, wo der Schmerz am grössten und der Nutzen am schnellsten sichtbar ist. Anstatt ein gigantisches Gesamtprojekt zu planen, konzentrieren Sie sich auf die „Low-Hanging Fruits“ – Prozesse, die mit verhältnismässig geringem Aufwand digitalisiert werden können und einen hohen Return on Investment (ROI) versprechen.

In vielen Schweizer KMU schlummern enorme Effizienzpotenziale in administrativen Prozessen, die oft noch manuell oder mit fehleranfälligen Excel-Listen („Schatten-IT“) bewältigt werden. Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates kritisiert, dass die Hürden der GeBüV für viele KMU zu komplex sind, was die Modernisierung hemmt. Doch gerade hier lässt sich mit modernen Tools schnell und kostengünstig ansetzen. Die Digitalisierung der Spesenabrechnung via App mit automatischer Belegerfassung, die Einführung einer cloud-basierten Stundenerfassung oder die Automatisierung der Rechnungsfreigabe via Workflow-Engine können die Prozesskosten in diesen Bereichen um weit mehr als 20% senken und wertvolle Arbeitszeit von Fachkräften freisetzen.

Der beste Weg zur Implementierung ist ein Pilotprojekt. Wählen Sie eine Abteilung aus, die neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen ist. Definieren Sie klare, messbare Ziele (KPIs) für das Projekt, zum Beispiel die Reduktion der Durchlaufzeit für Spesenabrechnungen um 50% innerhalb von 3 Monaten. Der Erfolg dieses Pilotprojekts wird zum internen Aushängeschild und schafft die nötige Akzeptanz, um weitere, komplexere Prozesse nach dem gleichen Muster anzugehen. So entsteht eine schrittweise, organische Transformation von innen heraus, ohne den Betrieb zu gefährden.

Aktionsplan: Quick-Wins der Digitalisierung identifizieren

  1. Prozess-Audit: Listen Sie alle administrativen Prozesse auf, die noch auf Papier, E-Mail-Ping-Pong oder Excel basieren.
  2. Schmerz-Analyse: Bewerten Sie jeden Prozess nach manuellem Aufwand, Fehleranfälligkeit und Frustrationspotenzial bei den Mitarbeitern.
  3. Nutzen-Bewertung: Schätzen Sie das Einsparpotenzial (Zeit, Material, Fehlerkosten) für jeden Prozess.
  4. Pilot-Auswahl: Wählen Sie den Prozess mit dem besten Verhältnis von hohem Nutzen zu niedrigem Implementierungsaufwand als Ihr erstes Pilotprojekt.
  5. KPI-Definition: Legen Sie vor dem Start 2-3 konkrete, messbare Ziele fest, um den Erfolg des Pilotprojekts objektiv bewerten zu können.

Der Fehler, der Schweizer Traditionsvereine bei der Umstellung auf Online-Mitgliederverwaltung Mitglieder kostet

Das Prinzip der risikofreien Transformation gilt nicht nur für Unternehmen, sondern auch für das Rückgrat der Schweizer Zivilgesellschaft: die Vereine. Viele Traditionsvereine stehen vor der Herausforderung, ihre Verwaltung zu modernisieren, um jüngere Generationen anzusprechen und ehrenamtliche Vorstände zu entlasten. Doch die Einführung einer Online-Mitgliederverwaltung birgt eine grosse Gefahr: den Verlust langjähriger, treuer Mitglieder, die mit digitalen Lösungen fremdeln. Der Kardinalfehler ist die Annahme, eine neue digitale Lösung könne die alten, analogen Wege von heute auf morgen komplett ersetzen.

Die Erfahrung zeigt, dass ein abrupter Wechsel ins Digitale vor allem bei Mitgliedern der Generation 60+ zu Verunsicherung und Ablehnung führt. Sie fühlen sich ausgeschlossen, wenn Informationen nur noch per E-Mail oder über ein Online-Portal kommuniziert werden. Das Resultat ist nicht selten der Austritt aus dem Verein. Die Lösung liegt auch hier in der bewussten Gestaltung einer bimodalen Realität. Die Einführung einer Online-Plattform darf nicht das Ende des Postversands oder des persönlichen Kontakts bedeuten.

Ein ehrenamtlicher Vereinskassier bringt die Herausforderung auf den Punkt:

Viele Vereinsmitglieder über 60 sind skeptisch bei digitalen Lösungen. Wir mussten lernen, dass der parallele Betrieb von digitalen und analogen Wegen essentiell ist. Die älteren Mitglieder schätzen es, wenn sie weiterhin per Post informiert werden können.

– Erfahrung eines Schweizer Vereinskassiers

Eine erfolgreiche Umstellung erfordert eine Kommunikation auf zwei Kanälen: Jüngere, digital-affine Mitglieder nutzen die Vorteile der Online-Plattform für Anmeldungen und Informationsabruf. Gleichzeitig erhalten ältere oder weniger technik-affine Mitglieder weiterhin die wichtigsten Informationen und Rechnungen per Post. Dieser Mehraufwand in der Übergangsphase ist eine entscheidende Investition in den Erhalt der Mitgliederbasis und den sozialen Zusammenhalt des Vereins. Es geht darum, niemanden zurückzulassen und den Wandel als Angebot zu gestalten, nicht als Zwang.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die digitale Transformation in der Schweiz gelingt nicht durch radikale Disruption, sondern durch eine geplante, risikominimierte Operation.
  • Der Schutz von Daten unter Schweizer Recht („Swiss Cloud“) ist keine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit für vertrauensbildende Branchen.
  • Der menschliche Faktor ist entscheidend: Eine auf Konsens und sichtbarem Nutzen basierende Kommunikation ist wichtiger als die Technologie selbst.

Wie steigern Sie die Produktivität Ihrer Fertigung durch kollaborative Robotik (Cobots)?

Nachdem wir die Grundlagen für eine sichere und akzeptierte Transformation gelegt haben, blicken wir auf eine Technologie, die das Potenzial hat, die Produktivität in der Schweizer Fertigungsindustrie neu zu definieren: kollaborative Roboter, kurz Cobots. Im Gegensatz zu traditionellen Industrierobotern, die in Sicherheitskäfigen agieren, sind Cobots darauf ausgelegt, Hand in Hand mit dem Menschen zu arbeiten. In einem Hochlohnland wie der Schweiz liegt ihr grösster Wert nicht darin, Arbeitsplätze zu ersetzen, sondern die teure menschliche Arbeitskraft für höherwertige Tätigkeiten freizusetzen.

Insbesondere in der Schweizer Präzisionsindustrie, wie der Uhren- oder Medizintechnik, werden Cobots bereits erfolgreich eingesetzt. Sie übernehmen repetitive, aber hochpräzise Aufgaben wie das Bestücken von Maschinen, das Schrauben oder das Polieren. Der hochqualifizierte Facharbeiter, der diese Aufgabe zuvor monoton ausführte, wird entlastet und kann sich auf seine eigentlichen Stärken konzentrieren: die komplexe Qualitätskontrolle, die Feinjustierung der Prozesse und die Problemlösung. Dies steigert nicht nur die Produktivität und Konstanz der Fertigung, sondern auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter.

Ein Experte von Swiss Quality Consulting fasst diesen Paradigmenwechsel prägnant zusammen:

Cobots ersetzen in der Schweizer Hochlohninsel nicht primär Arbeitsplätze, sondern machen die teure menschliche Arbeitskraft für anspruchsvollere Tätigkeiten frei und sichern so die Wettbewerbsfähigkeit.

– Swiss Quality Consulting, Digital Transformation und Modern Technology Report

Der Einstieg in die kollaborative Robotik muss nicht bedeuten, eine eigene Robotik-Abteilung aufzubauen. Institutionen wie die ETH Zürich und die EPFL bieten KMU Partnerschaften an, um massgeschneiderte und schnell einsetzbare Cobot-Lösungen zu entwickeln. Der Schlüssel zum Erfolg ist derselbe wie in allen anderen Bereichen der Transformation: Beginnen Sie mit einem klar definierten, überschaubaren Anwendungsfall, messen Sie den Erfolg und nutzen Sie die gewonnene Erfahrung als Blaupause für die weitere Skalierung.

Beginnen Sie jetzt mit der Analyse Ihrer eigenen Prozesse, um die ersten Kandidaten für eine risikofreie Modernisierung zu identifizieren. Ein strukturiertes Vorgehen, das Technologie, Prozesse und Menschen gleichermassen berücksichtigt, ist der Garant für eine erfolgreiche digitale Zukunft Ihres Unternehmens – ohne den Betrieb zu gefährden.

Häufige Fragen zur digitalen Transformation in Vereinen

Müssen alle Mitglieder die Online-Plattform nutzen?

Nein, eine bimodale Kommunikation (online und offline) ist entscheidend, um die gesamte Mitgliederbasis zu erhalten. Ein paralleler Betrieb von digitalen und analogen Informationskanälen in einer Übergangsphase ist der Schlüssel zum Erfolg.

Wo werden die Mitgliederdaten gespeichert?

Für Schweizer Vereine ist es dringend empfohlen, einen Anbieter zu wählen, der die Daten ausschliesslich auf Servern in der Schweiz speichert. Dies gewährleistet die Einhaltung des revidierten Schweizer Datenschutzgesetzes (revDSG).

Geht der persönliche Kontakt verloren?

Nicht zwangsläufig. Digitale Werkzeuge können den persönlichen Kontakt sogar stärken, indem sie die Organisation von Anlässen erleichtern und neue Austauschmöglichkeiten wie interne Foren oder Fotogalerien schaffen, die die Gemeinschaft fördern.

Geschrieben von Lukas Imhof, Dr. sc. techn. ETH und Innovationsberater für industrielle Digitalisierung und Robotik. Spezialist für Smart Factory Lösungen, IoT und Drohnentechnologie in der Schweizer Präzisionsindustrie.